25.12.2010 09:08 |

"Frohe Botschaft"

Absetzbarkeit von Spenden soll erweitert werden

Finanzminister Josef Pröll hat Umwelt- und Tierschutzorganisationen zu Weihnachten eine "frohe Botschaft" überbracht: Und zwar will die Regierung die Spendenabsetzbarkeit offenbar auf praktisch alle anerkannten NGOs ausweiten. Das "Geschenk" ist aber unterm Strich mehr ein Eingeständnis, dass sich die Koalition bei der bisherigen Regelung überschätzt hat.

Spenden können seit dem Vorjahr erstmals von der Steuer abgesetzt werden, allerdings gilt die Regelung nur für Hilfsgelder an mildtätige Zwecke, Entwicklungszusammenarbeit oder Katastrophenhilfe. Budgetiert sind für diese Maßnahme 100 Millionen Euro, ausgenützt wird davon aber voraussichtlich nur ein Bruchteil.

Nur 15 von 100 Millionen verbraucht
Laut einer Zwischenbilanz im Oktober wurden im ersten Jahr der Spendenabsetzbarkeit nur 45 Millionen Euro an Spenden bei der Finanz geltend gemacht. Diese Summe sollte sich zwar noch erhöhen, da noch lange nicht alle Veranlagungen bei der Finanz eingelangt sind, dafür hat man ja bis zu fünf Jahre Zeit; die ganzen 100 Millionen Euro dürften aber kaum ausgeschöpft werden.

Bei den 45 Millionen handelt es sich nämlich nur die in den Steuererklärungen angerechneten Spenden, der tatsächliche Steuerausfall, der dadurch entsteht, ist deutlich geringer. Der "Fundraising Verband Austria" schätzt die Kosten für die Absetzbarkeit auf nur 15 Millionen.

Die entsprechenden Gespräche über eine Ausweitung sollen im Jänner stattfinden, hieß es am Freitag aus Regierungskreisen, nachdem Pröll während der Spendengala "Licht ins Dunkel" angekündigt hatte, dass es bei der Absetzbarkeit genug Spielraum für eine Ausweitung gebe. Welche Organisationen und ob beide derzeit nicht einbezogenen Bereiche (Umwelt- und Tierschutz) einbezogen werden, sei aber noch völlig offen, hieß es.

GLOBAL 2000 erfreut über Pröll-Ankündigung  
Die Umweltorganisation GLOBAL 2000 hat Prölls Ankündigung am Freitag begrüßt. Geschäftsführer Klaus Kastenhofer sah darin "eine symbolische Anerkennung für die Bedeutung der Lösung von ökologischen und sozialen Problemen", diese gehören nämlich zusammen. Zu Gesprächen sei er noch nicht eingeladen worden, stehe aber dafür zur Verfügung, sagte Kastenhofer. Spenden für Umweltorganisationen machen nur einen kleinen Teil des gesamten Aufkommens aus. Laut Kastenhofer sind es in etwa vier Prozent. 

Stichwort Absetzbarkeit und Fundraising in Österreich
Die Spendenabsetzbarkeit wurde 2009 eingeführt. Geltend gemacht werden können bis zu zehn Prozent der Einkünfte. Von dem Bonus profitieren also nur Steuerzahler - und zwar für eine 100-Euro-Spende je nach Steuerklasse mit zwischen 36,50 und 50 Euro.

Insgesamt spendeten die Österreicher 2010 laut dem Fundraising Verband Austria rund 400 Millionen Euro. 28 Prozent Prozent davon bezogen sich auf Projekte für Kinder, 17 Prozent für Tiere, 13 für Katastrophenhilfe im Inland, zwölf Prozent für Kirchen und religiöse Vereinigungen, elf Prozent für Katastrophen im Ausland sowie zehn Prozent für die Bekämpfung des Hungers in der Welt. Spitzenreiter bei den NGOs sind traditionell das Rote Kreuz und die Caritas.

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