23.03.2021 08:00 |

Einziges Frauenmuseum

Mehr als weiblich: menschlich

Stefania Pitscheider Soraperra leitet das erste und einzige Frauenmuseum Österreichs in Hittisau - und dies ist auch eine Art gesellschaftspolitischer Meilenstein.

Ihren differenzierten Blick auf die Welt pflegt sie seit ihrer Kindheit, wuchs sie doch im Schatten der Dolomiten dreisprachig auf: „Von klein auf hatte ich nicht nur Zugang zur Sprache, sondern auch zu den Mentalitäten und Lebensweisen dahinter", sagt die der Minderheit der Ladiner angehörige Stefania. Zudem waren Kultur sowie Minderheiten- und Umweltschutz in ihrer Familie präsente Themen und: „Alle Frauen in meiner Familie waren selbstbestimmt und finanziell unabhängig." Beste Voraussetzungen also zur Leitung des Frauenmuseums, auch wenn vieles davor passierte. Nachdem sie ihrem Kindheitswunsch, Astronomin zu werden, entsagte ("... das war mir doch zu weit weg von irdischen Fragen") arbeitete die Kunsthistorikerin für Institutionen wie das kulturhistorische Museum oder die Kunsthalle.

Fast noch wichtiger: das Kollektiv der „Wochenklausur“, mit dem nachhaltige Projekte umgesetzt wurden, etwa eine mobile Ambulanz für Obdachlose (Wien) oder eine Pension für Drogenprostituierte (Zürich). „Ich habe mich gefragt, ob die beiden Arbeitsweisen zusammenpassen könnten: auf der einen Seite die Tätigkeit in einer großen Einrichtung, auf der anderen Seite das aufregende Engagement in freien Projekten. Und endlich, in Hittisau, konnte ich diese Fäden miteinander verweben. Das Frauenmuseum ist eine Institution mit Regeln, die Zugangsweisen ähneln aber jenen in freien Projekten. Das ist sehr spannend“, meint die mittlerweile im Ländle heimisch gewordene Mutter eines Sohnes.

Viel Ehr, wenig Geld
Sehr erfolgreich ist sie zudem: Die Nominierung zum „European Museum of the Year Award 2021“ ist nur die jüngste von zahlreichen Auszeichnungen. Dennoch gibt es noch viel zu tun. „Die Kulturarbeit des Frauenmuseums ist dem Land gerade mal 1,23 Prozent so viel wert wie jene des Landesmuseums. Das ärgert mich“, gibt die 55-jährige unumwunden zu. Auch, weil das Frauenmuseum wie kein anderes gesellschaftspolitische Themen und den entsprechenden Diskurs in den Fokus stellt.

„Ein Museum wie wir es verstehen, ist kein Container für Ausstellungen, sondern ein aktiver Ort, der sich mit der Gesellschaft in Verbindung bringt, auf gesellschaftspolitische Entwicklungen reagiert, Probleme aufzeigt, kooperativ, partizipativ und inklusiv arbeitet." Natürlich stehen Frauen im Mittelpunkt, Brett vor dem Kopf hat Stefania aber sicher keines und zitiert die große Johanna Donahl: „Die Vision des Feminismus ist nicht eine weibliche Zukunft, es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Männerbündelei und ohne Weiblichkeitswahn." Fast zu schön, um wahr zu werden?

Raimund Jäger
Raimund Jäger
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