21.03.2021 09:27 |

Reise-Reportage

Erlebnis Bregenzerwald: Zeit fürs Nichtstun

Vor wenigen Tagen hat die Gastronomie in Vorarlberg wieder ihre Pforten geöffnet. Wer jetzt auf der Suche nach einem Ort zum Abschalten und Krafttanken ist, wird im Bregenzerwald alsbald fündig. 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte der Bregenzerwald, der sich südöstlich des Bodensees vom Pfändermassiv bis zum Hochtannbergpass erstreckt, zu den ärmsten Teilen unseres westlichsten Bundeslandes. Heute hat er sich nicht zuletzt wegen der vielfältigen Freizeitangebote und wunderschönen Natur, gepaart mit gepflegter Gastlichkeit und Tradition, zu einer beliebten Urlaubsregion gemausert. Wer auf der Suche nach Ruhe und Entspannung ist, kommt hier ebenso auf seine Kosten wie Menschen, die ihre Freizeit gerne aktiv gestalten.

Dreiundzwanzig schmucke Dörfer umfasst die Region. Eines davon ist Schwarzenberg, bekannt vor allem für seine historischen Wälderhäuser und der Inbegriff Vorarlberger Dorfromantik. Filigrane Holz-Ornamente, teilweise aus dem 18. Jahrhundert, und mit Schindeln verkleidete Fassaden prägen das Bild. Ein Haus mit besonderer Tradition ist der Gasthof Hirschen.

Schon lange thront das historische Bauwerk mitten im Ort, nicht weit von der Dreifaltigkeitskirche und dem Dorfbrunnen. Nachdem das Zentrum von Schwarzenberg 1755 einem Brand zum Opfer fiel, wurde der Hirschen dort errichtet. Seitdem haben Menschen aus aller Herren Länder das einzigartige Flair dieses Kleinods kennen- und schätzen gelernt.„Nehmen Sie sich Zeit, nichts zu tun“, heißt es in der Broschüre des Hirschen. Ein gutes Motto für die Zeit nach dem Lockdown.

Gastgeber Peter Fetz führt das Haus nun bereits in 10. Generation und mit vielen neuen Ideen. Frei nach dem Motto „Einzigartigkeit hat Platz bei uns“. Seinem Vater Franz wiederum ist es zu verdanken, dass aus dem Hirschen das Vier-Sterne-Hotel wurde, das heute den Dorfplatz überblickt. Zahlreiche Kunstwerke unterschiedlichster Epochen aus seiner Sammlung hängen an den Wänden, und die beliebte „Wälderness“-Konzertreihe, die hoffentlich 2021/22 wieder stattfinden kann, wurde von ihm ins Leben gerufen. Schon beim Betreten merkt man, dieses historische Haus hat eine Seele. Die alten Fußböden und Treppen knarren, die getäfelten Salons wirken sofort heimelig, und an den schweren Holztischen im Restaurant wurde schon so mancher kulinarische Hochgenuss serviert.

Die insgesamt 36 Zimmer und Suiten, verteilt auf zwei Häuser, stammen aus unterschiedlichen Epochen und tragen Namen ihrer früheren prominenten Bewohner. So erinnert die „König Max“-Suite an den Besuch des bayrischen Königs im Jahr 1856 oder das „Eduard Mörike“-Zimmer an den Besuch des deutschen Lyrikers, der mit seiner Frau Margarethe Speth hier die Flitterwochen verbrachte. Andere Räume wiederum sind Persönlichkeiten gewidmet, die diesen Ort geprägt haben. Angelika Kauffmann zum Beispiel. Die bekannte Künstlerin (1741-1807) war zeitlebens eng mit Schwarzenberg, dem Heimatort ihres Vaters, verbunden. Schon im Alter von 16 Jahren hat sie die Apostelfresken in der Kirche gestaltet. Aber nicht nur ein Zimmer ist nach ihr benannt. Das ihr gewidmete Museum erreicht man in nur wenigen Gehminuten. Von außen eher unscheinbar, werden in dem 450 Jahre alten sogenannten Kleberhaus jährlich wechselnde Themenausstellungen mit Originalwerken gezeigt.

Bekannt ist der Hirschen weit über Schwarzenberg hinaus auch für seine exzellente Küche. Küchenchef Jonathan Burger verwendet nur die besten Produkte der Region und zaubert jetzt, da das Restaurant wieder öffnen darf, daraus wahre Köstlichkeiten. Lehmwände und viel helles Holz prägen die Atmosphäre des kleinen, aber feinen Spabereiches. Da fällt es leicht, der Empfehlung des Hirschen zu folgen und sich Zeit zu nehmen, um einfach nichts zu tun!

Eva Bukovec, Kronen Zeitung

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