14.03.2021 09:45 |

Corona-Nothilfe

Armut erreichte die Mitte der Gesellschaft

Es war nicht nur ein Jahr der Pandemie, es war auch ein Jahr der Solidarität! Mittlerweile ist die Armut in der Mitte der Gesellschaft angekommen - die Hilfe muss weitergehen. Deshalb haben „Krone“ und Caritas die Corona-Nothilfe wieder gestartet.

Als im März 2020 der erste Lockdown kam, richteten „Krone“ und Caritas einen Nothilfe-Fonds ein: Mit der Hilfe zahlreicher Leserinnen und Leser, Firmen sowie der Bischöfe konnten im Vorjahr 6.556.217,92 Euro gesammelt werden, um durch die Krise in Not geratenen Österreichern zu helfen. Damit wurden etwa 32.387 Menschen mit Mahlzeiten und Lebensmitteln versorgt und 11.517 Personen samt Familien über die 53 Sozialberatungsstellen der Caritas mit Überbrückungshilfen unterstützt. Es wurden zusätzliche Notquartiere für Obdachlose eingerichtet, Hauszustellungen für ältere, kranke, stark gefährdete Menschen organisiert, die finanzielle Soforthilfe für Mieten, Strom- und Heizkosten ausgebaut.

Doch die Lage ist angespannt, die Caritas verzeichnet einen großen Andrang von Hilfesuchenden. Die Armut hat sich verändert, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und trifft Menschen, die sich nie gedacht hätten, dass sie selbst je Hilfe nötig haben werden: Selbstständige, die ihre Firmen zusperren mussten. Menschen, die unverschuldet ihre Jobs verloren haben. Familien, die vor der Krise gut versorgt waren, aber deren Erspartes mittlerweile aufgebraucht ist. „Hilfe braucht jetzt einen langen Atem. Wir dürfen auf Menschen, die so plötzlich unverschuldet in Not geraten sind, nicht vergessen!“, so „Krone“-Ombudsfrau Barbara Stöckl und Caritas-Präsident Michael Landau.

Hilfesuchende nicht im Stich lassen
Der psychische Druck ist groß. Jahresabrechnungen für Strom und Heizung sowie Mietkostenrückstände werden für viele zur unüberwindbaren Hürde. Viele, die zu Beginn der Krise arbeitslos wurden, rutschen nun in die Notstandshilfe - was weitere finanzielle Einbußen bedeutet und die Perspektivenlosigkeit vergrößert. „Wir dürfen nicht vergessen, wie ernst die Bedrohung für jene ist, die schon vor der Krise von Armut betroffen waren, ihren Job verloren haben oder aufgrund von Kurzarbeit nicht mehr weiterwissen“, appellieren Caritas-Präsident Michael Landau und „Krone“-Ombudsfrau Barbara Stöckl: „Sie brauchen jetzt unsere Unterstützung. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.“

„Risikofaktor“ gewöhnliches Leben
Laura ist selbstständig und Alleinerzieherin von zwei Kindern, eines davon mit Behinderung. Durch Corona hat sich das Einkommen der Familie drastisch minimiert: Die Aufträge fallen weg, einerseits wegen der vermehrten Betreuung des Nachwuchses daheim, andererseits, weil Aufträge wegfallen. Und: Alimente gibt es keine, der Ex-Partner hat selbst zu kämpfen. Für Laura das größte Problem war, „dass von einem Tag auf den anderen, Schule und Betreuung weggefallen sind. Ich habe mit Freunden und Familie versucht, dass ich meinen Beruf weiter ausüben kann. Es war extrem schwierig.“

„War noch nie auf den Sozialstaat angewiesen“
Für die Tochter mit der Mehrfachbehinderung war die Umstellung wegen Corona sehr schwierig, der zweite Sprössling brauchte rasch psychiatrische Behandlung: „Wenn man nicht ein Jahr auf einen Kassenplatz warten kann, kostet das viel Geld.“ Dazu kam, dass der Nachwuchs für den Distanzunterricht entsprechende Ausrüstung benötigte. Laura versuchte, Leihgeräte zu organisieren - erfolglos. Die Wienerin kann alles noch nicht so recht glauben: „Ich bin gut ausgebildet, war in meinem Leben nie auf den Sozialstaat angewiesen. Ich kann gut mit Geld umgehen, hatte nie Schulden.“ Und dann, von einem Tag auf den anderen, der Absturz - und das aus Gründen, an denen sie keine Schuld trägt. Laura holte sich letztlich Unterstützung in der Sozialberatung der Caritas.

„Diese Zeit hat mich um ein paar Jahre zurückgeworfen“, sagt sie, „ich werde noch lang damit beschäftigt sein, Löcher zu stopfen. Im Nachhinein verstehe ich nicht, wie ich das alles geschafft habe.“ Für Menschen wie Laura und ihre Kinder haben „Krone“ und Caritas ihre Nothilfe wieder hochgefahren und bitten auch Sie um Ihre Hilfe - danke schön!

 Ombudsfrau
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Donnerstag, 15. April 2021
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