14.03.2021 07:00 |

„Krone“-Kolumne

Weiblicher Orgasmus und männliches Ego

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller dazu, warum Frauen sich berechtigt fühlen sollten, lustvollen Sex zu haben.

Frauen erleben Orgasmen häufiger bei Sex in einer längeren Partnerschaft als bei einem One-Night-Stand. Dabei spielen auch emotionale Aspekte eine wichtige Rolle. Wie gut ist die Beziehung? Wie sehr kann man einander vertrauen? Kann man für einen (Orgasmus-)Moment lang entspannt die Kontrolle aufgeben? Offenbar geht es bei partnerschaftlichem Sex um mehr als nur die technische Stimulation von Sexualorganen.

SexualpädagogInnen und SexualtherapeutInnen loben und preisen deshalb gerne den Nutzen sexueller Kommunikation. Um die Orgasmus-Ungleichheit zu beheben, muss das Bettgeflüster noch nicht einmal schmutzig-erotisch werden. Worauf man und frau gerade Lust hat und welche Berührungen sich gut anfühlen, wäre schon allein deswegen hilfreich zu wissen, um der anderen Person ein sexuelles Angebot machen zu können (das auch abgelehnt werden könnte). Nur fällt es vielen Menschen gar nicht so leicht, über Sexualität und sexuelle Fantasien zu sprechen, weil es ungewohnt ist. Vielleicht auch, weil es unangenehm sein könnte - für einen selbst und/oder die andere Person.

SexualitätsforscherInnen haben herausgefunden, dass heterosexuelle Frauen manchmal auch aus anderen Gründen nicht sagen, was sie gut finden und was nicht. Etwa weil sie die Männlichkeit ihres Partners nicht verunsichern möchten. Manche Frauen vermuten also, dass „sein Ego“ ein Gespräch über ihre sexuellen Wünsche nicht gut aushalten würde. Möglicherweise zurecht. Denn die Forschung bestätigt diese Dynamik für Männer, die von ihrer männlichen Geschlechterrolle gestresst sind. Soll heißen: Männer die sich als besonders männlich beweisen müssen, weil sie Angst haben, unzulänglich, erfolglos und unterlegen zu sein.

Manchmal bevorzugen es Frauen deshalb, so zu tun, als hätten sie einen Orgasmus. Es erlaubt ihnen, den Sex zu beenden, ohne darüber reden zu müssen, und ohne dass ihr Partner sein Gesicht verliert. Das ist aber auch zu nett von ihnen! Offenbar gibt es in dem Fall eine Art Übereinkunft, dass Frauen weniger berechtigt sind, Spaß und Lust am Sex zu haben, als Männer eine Rücksichtnahme auf ihr sexuelles Selbstbewusstsein erwarten dürfen.

Wenn man sie fragen würde, wäre das vielen Männern allerdings vermutlich gar nicht recht. Weibliche Lust und Unlust ist Männern zumutbar. Wenn Frauen sich berechtigt fühlen, den lustvollen Sex zu haben, den sie immer wollten.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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