08.03.2021 10:01 |

Neue Erkentnisse

Grazer Forscher sehen Grauen Star in neuem Licht

Viele Menschen leiden am Grauen Star. Die Ursache für die Trübung der Linse dürfte jedoch eine andere sein als bisher vermutet. An dieser neuen Erkenntnis waren auch Grazer Forscher beteiligt.

Der Graue Star, die im Alter einsetzende Trübung der Linse, ist weitverbreitet. Die Erkrankung dürfte allerdings eine andere Ursache als vermutet haben: Nicht fehlgebildete Proteine in der Augenlinse, sondern ein offenbar altersbedingt gestörtes Gleichgewicht der drei häufigsten Linsenproteine sollen die zentrale Rolle für die Entstehung der Augenkrankheit sein, wie Forscher der Technischen Universität München gemeinsam mit Kollegen der Med-Uni Graz herausgefunden haben.

Verklumpen der Proteine im Auge
Die hohe Brechkraft der menschlichen Augenlinse beruht auf einer hoch konzentrierten Mischung aus Eiweißen (Proteinen). Wenn die gelösten Proteine jedoch aggregieren und auskristallisieren, kommt es zur Trübung der sonst glasklaren Augenlinse - Grauer Star ist die Folge. Forscher bemühen sich, die molekularen Grundlagen zu identifizieren, die zum Verklumpen der Proteine führen. Die deutsch-österreichische Forschergruppe unter der Leitung von Philipp Schmid und Johannes Buchner (Technische Universität München) hat laut Mitteilung der Med-Uni Graz einen dafür verantwortlichen, grundlegenden Mechanismus aufgeklärt.

Dazu haben die Wissenschafter die Zusammensetzung und Trübung der Augenlinsen von jungen und alternden Mäusen mit und ohne Veranlagung zum Grauen Star untersucht: „Entgegen der vorherrschenden Annahme, haben wir herausgefunden, dass die Verklumpung nicht durch eine Abnahme an schützenden Alpha-Kristallin Proteinen verursacht wird“, beschrieb der Grazer Strukturbiologe Tobias Madl vom Gottfried Schatz Forschungszentrum der Med-Uni Graz das überraschende Ergebnis.

Grundlage für neue Therapiemöglichkeiten
Aus Sicht der beteiligten Forscher können die gewonnenen Erkenntnisse die Grundlage zu neuen Therapiemöglichkeiten bilden: So könnte die Verhinderung der Verklumpung von Augenlinsenproteinen eine neue pharmakologische Strategie für Patienten mit Grauem Star darstellen. „Die Entwicklung auf darauf beruhenden Wirkstoffen wird noch ein weiter Weg“, betonte Madl jedoch. Die bisherigen Erkenntnisse würden aber jedenfalls zeigen, dass die Grundlagenforschung „essenzielle Impulse für Innovationen“ setzte, wie der Grazer Forscher betonte. Die Strukturbiologie wurde an der Med-Uni Graz in den vergangenen Jahren etabliert und zwischen den Grazer Universitäten vernetzt.

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