07.03.2021 10:00 |

Corona-Nothilfe

Als Alleinerzieherin durch die Corona-Krise

Kinder sind ein Wunder! Alleinerziehend zu sein ist aber oft eine schwere Aufgabe. Und es kann in der Krise zu einer Herausforderung werden, die ohne Hilfe kaum zu meistern ist.

Man hört sie lachen, noch bevor die kleine Familie die Caritas Sozialberatung in Wien betritt: Astrid und ihre Töchter Viktoria (12) und Elisabeth (21) bringen Freude, Herzenswärme, Genügsamkeit mit. Astrid ist alleinerziehend, Tochter Viktoria hat eine autistische Spektrumsstörung. „Ich musste mich jetzt zum ersten Mal an die Caritas wenden“, sagt Astrid, „denn als ich eine Nachzahlung für die Wasserrechnung bekommen habe, wusste ich, das geht sich nicht mehr aus.“

Dabei hat sie über Jahre gut verdient. Doch vor zweieinhalb Jahren erhielt Astrid die Diagnose Gehirntumor - und das nur kurz nachdem ihr Mann völlig überraschend an einem Tumor gestorben war. „Ich wusste, dass ich beruflich nicht mehr so weitermachen kann“, erinnert sie sich. Für Mütter von Kindern mit Beeinträchtigung sei es so gut wie nicht möglich, Vollzeit zu arbeiten: „Unsere Kinder sind viel und öfter krank, es besteht immer Pflegebedarf.“

„Instabiles Konstrukt, wie man Alltag schupft“
Und da gebe es einen Lawineneffekt, beschreibt Astrid den Teufelskreis, in dem sich so viele Eltern befinden: „Die Mütter arbeiten Teilzeit, bekommen weniger Pension; wenn die Kinder dann in eine Tagesstruktur nach der Schule müssen, muss das bezahlt werden; wenn die Eltern nicht mehr da sind, leben sie von Waisenpensionen, und wenn Mütter wenig verdient haben, ist das gering. Das nimmt kein Ende.“ Die Familie hat zuletzt vom Ersparten gelebt, es wurde immer weniger. In der Krise kam alles zusammen - geringerer Unterhalt, und die Familienbeihilfe von Elisabeth fiel weg, weil sie mit dem Studium wegen Corona erst im Herbst statt jetzt starten kann.

„Es ist ein instabiles Konstrukt, wie man den Alltag schupft“, sagt sie, „und wenn irgendwo ein Fuß wegbricht, bricht alles zusammen. Es geht im Endeffekt nicht um große Beträge, die den Unterschied machen.“ Die Krise macht der Familie nicht nur finanziell zu schaffen. Keine Schule, keine Freunde, keine Kontakte: Kindern das zu erklären sei schwer, aber bei einem Kind, dessen Auffassungsfähigkeit gestört ist, „ist es sehr schwierig“, so Astrid: „Jede Abänderung der normalen Tagesstruktur führt zu unerwünschten Reaktionen bei meiner Tochter.“ Es fängt bei scheinbar kleinen Dingen an, etwa, dass durch die Maske die Mimik nicht erkennbar ist. Viktoria ist aber gerade auf diese nonverbale Kommunikation angewiesen. Zugleich ist die Zwölfjährige Hochrisikopatientin, weshalb es wichtig ist, dass die Masken getragen werden. Und seit einem Jahr konnte Viktoria wegen Corona auch nicht mehr an der Logopädie-Therapie teilnehmen. Das Leben der Familie ist eingeschränkt, das Haus wird nur für das Wichtigste verlassen.

Die große Schwester als Stütze im Alltag
Viktoria hält die Hand ihrer älteren Schwester. Elisabeth ist ihr und ihrer Mutter eine große Stütze: „Ohne ihre Hilfe würde ich es nicht schaffen“, sagt Astrid. „Wenn man auf kein familiäres oder soziales Netz in einer Pandemie zurückgreifen kann, wird es schwierig.“ Die 21-Jährige muss seit jeher viel zurückstecken: Auf vieles, was für Gleichaltrige selbstverständlich war, hat sie verzichtet. Die junge Frau lächelt, tut es ab, für sie ist es selbstverständlich.

Doch, liebe Leserinnen und Leser, wir wissen: Es ist ein Geschenk, solche Kinder, solchen Zusammenhalt zu haben! Mutter Astrid ist dankbar. Und würde sich generell - wie auch so viele andere Eltern in Österreich - wünschen, dass die Politik mehr Augenmerk auf Menschen mit Beeinträchtigungen legt. Wie die Familie brauchen in der Krise viele Menschen Hilfe - bitte spenden auch Sie! Danke sehr dafür!

Falls Sie Unterstützung benötigen
Sie brauchen dringend Hilfe, befinden sich in akuter Not? Die Caritas hat eine Corona-Nothilfe-Hotline eingerichtet: 05/177 6300, erreichbar Montag bis Freitag von 9 bis 13 Uhr. Beim „Plaudernetz“ ist man nicht einsam, da hat immer jemand ein offenes Ohr, unter 05/177 6100 täglich von 12 bis 20 Uhr erreichbar. Und die Plattform „Füreinand“ bringt Helfende und Hilfesuchende zusammen. Alle Infos zu den Initiativen gibt es unter fuereinand.at

 Ombudsfrau
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Donnerstag, 15. April 2021
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