24.02.2021 08:00 |

„Krone“-Kolumne

Ich weiß, was ihr letzten Sommer getan habt

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller anlässlich der frühlingshaften Temperaturen über die Veränderung intimer Beziehungen im letzten Sommer. 

Bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte verändern sich Liebesbeziehungen selten und sie lernen auch nicht mehr so häufig neue Partnerinnen und Partner kennen. Anders war das im Sommer bei den Jüngeren: Jeder dritte junge Erwachsene unter 30 Jahren hatte im Herbst nicht mehr denselben Beziehungsstatus wie zu dem Zeitpunkt, als Covid-19 sich gerade erst langsam seinen Weg ins öffentliche Bewusstsein bahnte.

Vermutet wurde schon länger, dass es nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 zu mehr Trennungen und Scheidungen gekommen ist. Über den Sommer haben sich allerdings mehr Menschen neu verliebt als sich getrennt haben, zumindest unter 1600 von mir befragten Personen. Sie haben im Sommer neue interessante Leute kennengelernt, aus einer losen Bekanntschaft eine verbindliche Partnerschaft gemacht oder neue Sexpartner gefunden. Selten auch eine neue Affäre neben ihrer Ehe.

Dabei sind es vor allem jüngere Menschen, die sich im Sommer auf einen neuen Partner oder eine Partnerin eingelassen haben. Im Nachhinein danken viele Verliebte wahrscheinlich der glücklichen Fügung des Schicksals, denn wie lange der Lockdown-Winter tatsächlich dauern würde, konnte im Sommer noch niemand wirklich absehen. Menschen am Beginn einer ernsthaften Beziehung finden die Pandemie jedenfalls nicht nur schlecht, denn sie erlaubt es vielen frisch Verliebten, mehr Zeit für Sex und Intimität zu haben - und eine Person, mit der das möglich ist.

Der nächste Sommer lässt noch auf sich warten. Das merken vor allem jene Menschen, die die sommerliche Pandemie-Pause letztes Jahr dazu genutzt haben, um sich aus einer belastenden Beziehung zu befreien. Eine Trennung war für viele erleichternd, weil sie damit Konflikte und Streit meist beenden konnten. Allerdings mussten sie sich erst daran gewöhnen, allein zu sein, ohne wirklich eine Ablenkung zu haben oder eine Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Mit den ersten Sonnenstrahlen und steigenden Temperaturen wird sich nicht nur das öffentliche Leben verändern, sondern für viele auch wieder der Beziehungsstatus.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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