19.02.2021 15:34 |

Mit Baby vor Gericht

Frau zur Prostitution gezwungen: Vier Jahre Haft

Je vier Jahre Haft haben Freitag am Landesgericht zwei Ungarn ausgefasst. Der Mann (26) und die Frau (24) sollen eine Beeinträchtigte aus ihrer Heimat durch Österreich kutschiert und mit Schlägen zur Prostitution gezwungen haben. In Kärnten wurden sie gefasst. Die Angeklagte erschien mit Baby im Gerichtssaal; sie hatte während der U-Haft entbunden.

Die Ungarin war beinahe die gesamte Schwangerschaft über im Gefängnis gewesen und hatte erst im Dezember entbunden. Staatsanwältin Doris Wieser warf ihr und ihrem Freund vor, eine Landsfrau, die an einer Intelligenzminderung leidet, mit Schlägen und Drohungen zur Prostitution gezwungen zu haben. Die beiden Angeklagten stritten das ab.

Vorgehen als „Dummheit“ bezeichnet
Der Verteidiger des Angeklagten bezeichnete dessen Vorgehen als „Dummheit“, nachdem er wegen der Corona-Krise seinen Job verloren hatte. Der Tatzeitraum habe wenige Wochen betragen, die Frau hätte nicht mehr als zehn bis 15 Freier empfangen und hätte jederzeit gehen oder sich Hilfe suchen können. Laut Staatsanwältin war ihr das jedoch weder sprachlich noch verstandesmäßig möglich.

Der Schöffensenat sprach beide Angeklagten schuldig. Richter Gernot Kugi in seiner Urteilsbegründung: „Es macht das Verbrechen besonders verwerflich, weil man man eine geistig beeinträchtigte Frau benutzte, um seinen Lebensinhalt zu finanzieren.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mit Mama in Haft
Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wird die Ungarin in eine andere Haftanstalt überstellt. Das Kind kann bis zu seinem zweiten Lebensjahr bei der Mutter im Gefängnis aufwachsen. Danach kommt es entweder zu Verwandten oder in eine Betreuungseinrichtung. 

 Kärntner Krone
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