21.02.2021 08:00 |

„Krone“-Kolumne

Dating, Sexroboter: Die Zukunft der Paarbeziehung?

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal über die Unkontrollierbarkeit der Liebe. 

Auch ohne Pandemie ist es schwierig, einen passenden Partner oder eine Partnerin zu finden und sich dann auch noch zeitgleich wechselseitig mit dieser Person ineinander zu verlieben. Entsprechend alt sind die Fantasien, wie es wohl wäre, wenn man dem Liebesglück ein bisschen nachhelfen könnte.

Ratgeberliteratur und Algorithmen der Online-Dating-Industrie unterscheiden sich in dieser Hinsicht kaum von den Liebespflanzen und Liebeszaubern des Mittelalters, den Düften, Wahrsagern und Kupplern. Sie versprechen eine Herrschaft über die Liebe, die es eigentlich nicht geben kann - wenn man nur bereit ist, ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen.

Angeblich soll man in Zukunft mit Robotern nun wirklich das Liebesglück kaufen können. Der Wunsch nach mehr Kontrolle über die Liebe (und Science-Fiction-Filme) führen dazu, dass sich gar nicht so wenige junge Menschen vorstellen können, sich in einen Roboter mit künstlicher Intelligenz zu verlieben. Klar, diese künstliche Person hätte keine eigenen Bedürfnisse und hätte nichts anderes zu tun, als unkompliziert einer (zahlenden) Person ihre Wünsche zu erfüllen. Das mag manchen in einer komplizierten Beziehung paradiesisch erscheinen.

Eine wirklich menschliche, künstliche Intelligenz mit Gefühlen und allem, was dazu gehört, wird es jedoch nicht geben, und wäre dann vermutlich ja auch so kompliziert wie es reale Beziehungen eben sind. Zurück bleibt eine Sexpuppe, die für manche ihren Zweck erfüllt, aber mit einer Liebesbeziehung recht wenig zu tun hat, im Positiven wie im Negativen.

Warum man sich verliebt oder nicht verliebt - die Wissenschaft weiß es nicht wirklich. Fantasien und Wünsche spielen sicher eine Rolle, auch der Körper, Geruch, Humor, Gespräche und eine ganze Reihe an anderen Elementen. Letztlich bleibt aber ein Rest, eine Unbekannte, die sich nicht auflösen und nicht beherrschen lässt. Und die man vielleicht auch gar nicht kontrollieren will, denn dadurch bleibt Verliebtheit mit Abenteuer, Aufregung und einer offenen Zukunft verbunden.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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