14.02.2021 07:00 |

„Krone“-Kolumne

Ein Valentinsgruß an die sexuelle Vielfalt

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal über die unendliche Liebe in Mehrfachbeziehungen.

Rund um die Partnersuche ranken sich viele Klischees. Zum Beispiel, dass alle Menschen, die eine Partnerin oder einen Partner suchen, Singles sind. Das stimmt teilweise - aber eben auch nur teilweise. Es gibt einige Singles, die gerne alleine sind. Und es gibt Menschen, die fix mit jemand zusammen sind, aber daneben eine weitere Liebschaft suchen. Vielleicht auch phasenweise intensiver, wenn es kompliziert oder konflikthaft wird - oder das partnerschaftliche Sexleben nicht mehr so aufregend ist wie früher.

Noch so ein Klischee ist, dass das immer hinter dem Rücken einer betrogenen Person passiert. Tatsächlich scheinen mittlerweile offene Beziehungen mit Zustimmung des Partners bzw. der Partnerin ähnlich verbreitet zu sein wie heimliche Affären. Es wird nur nicht so frei darüber geredet wie über das Geheimnis, den Betrug und den Vertrauensverlust beim „Fremdgehen“.

Dabei sind Menschen in polyamoren Beziehungen gerade beim offenen Reden relativ gut. Das müssen sie auch sein, denn alle Beteiligten sollen mit dem komplexen Beziehungsgeflecht gut leben können. Das erfordert Absprachen und emotionale Rücksichtnahme auf (oft genug begründete) Bedenken, Eifersucht und Ängste.

Nicht-monogame Beziehungen können sehr vielfältig sein. Manche Paare suchen nur kurze sexuelle Begegnungen mit anderen Menschen neben ihrer Hauptbeziehung, manchmal alleine, manchmal zu zweit. Andere Menschen führen mehrere Liebesbeziehungen nebeneinander, die ihnen alle wichtig sind. Auch wenn eine solche Beziehungsarbeit für viele nie infrage kommen würde und sie Mehrfachbeziehungen vor allem „kompliziert“ finden, leben einige Menschen über Jahre hinweg glücklich in komplexen romantischen Verhältnissen.

Diese amouröse Vielfalt in der Bevölkerung ist unter Pandemiebedingungen allerdings bedroht. Viele polyamore Partnerschaften haben sich seit dem Lockdown auf eine primäre Beziehung reduziert, die anderen müssen sich rechtfertigen. Für Partnerinnen und Partner außerhalb des Haushalts bleibt oft nur eine distanzierte Intimität: Spaziergänge und Telefonieren, Videocalls und Sexting. Und auch Valentinstag ist für „die unendliche Liebe“ in Zeiten von Corona eine logistische Herausforderung.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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