01.12.2010 13:07 |

Wiener U-Bahn-Panne

Fehlentscheidungen und technischer Defekt als Ursache

Eine Kombination aus technischem Defekt und Fehlentscheidungen war laut Wiener Linien die Ursache dafür, dass am Dienstag nach einer Stromstörung rund 200 Fahrgäste zwei Stunden lang in einem Zug der Linie U4 festsaßen (siehe Infobox). Das Unternehmen bietet den Betroffenen nun als Wiedergutmachung eine Acht-Tage-Klimakarte an. Außerdem wurde in einer Krisensitzung ein Maßnahmenpaket beschlossen, um einen "derartigen Vorfall" für die Zukunft auszuschließen.

Grund für den Stromausfall auf der Strecke zwischen Landstraße und Heiligenstadt sei ein technischer Defekt in einem sogenannten Unterwerk, durch das die Stromschienen der U-Bahn mit Strom versorgt werden, gewesen. Dieser Defekt habe dazu geführt, dass der Zug in einem Tunnel zum Stillstand kam. Gleichzeitig kam es laut Wiener Linien auch zur Störung an einer Informationsleitung, über die die Einsatzzentrale hätte informiert werden sollen. Weil die Situation aufgrund der fehlenden Auskunft unklar gewesen sei, konnte die Evakuierung des Zuges nicht "sofort oder nach wenigen Minuten" angeordnet werden. 

"Die Situation falsch eingeschätzt"
Der nominierte Einsatzleiter habe "die Situation insgesamt falsch eingeschätzt" und sich nicht vor Ort begeben, um das technische Personal zu unterstützen. Vielmehr habe er gemeinsam mit der Zentrale die Entscheidung getroffen, eine Diesellok anzufordern, welche den Zug in die nächste Station ziehen sollte. Dies dauerte jedoch mehr als eineinhalb Stunden, bedauerte das Unternehmen. Das Störungsmanagement der Wiener Linien sehe eigentlich vor, dass ein auf der Strecke stehender Zug spätestens nach 15 Minuten evakuiert werden muss.

Die Wiener Linien bieten nun Betroffenen eine Wiedergutmachung an: Den Fahrgästen werde als Entschädigung eine Acht-Tage-Klimakarte angeboten. Diese könne an acht voneinander unabhängigen Tagen als Fahrschein verwendet werden.

Maßnahmenpaket für die Zukunft erstellt
Außerdem erstellten die Wiener Linien ein Maßnahmenpaket, um sicherzustellen, dass es in der Zukunft nicht wieder zu einem derartigen Zwischenfall komme: Unter anderem werde eine zusätzliche Überprüfung eingeführt, ob der nominierte Einsatzleiter sich tatsächlich zum Ort der Störung begibt, um von dort das Störungsmanagement zu organisieren. Zudem sollen die technischen Anzeigen in der Einsatzzentrale so überarbeitet werden, dass bei Zugstillstand auf der Strecke ein deutlicheres Alarmzeichen bis zur Auflösung der Situation angezeigt werde.

Zudem sollen die Wissenschecks der Mitarbeiter in der Einsatzzentrale für die Behandlung von Störungsfällen intensiviert und Einsatztrainings eingeführt werden. Dabei sollen die Maßnahmen bei gleichzeitigem Ausfall mehrerer technischer System real geübt werden. Durch diese Maßnahmen soll laut Wiener Linien das U-Bahn-Störmanagementsystems optimiert werden. Dieses habe bis zum Dienstag "seit nunmehr 30 Jahren gut funktioniert", wurde versichert.

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