03.02.2021 08:10 |

„Krone“-Kolumne

„Obszöne Videos“: Teilen kann gefährlich werden

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller zur öffentlichen Erregung über „obszöne“ Party-Videos. 

In sozialen Medien wurde es kontrovers diskutiert: Junge Männer hatten eine Party gefeiert und bei der Gelegenheit sexuelle Videos aufgenommen. Die einen fanden es empörend und verwerflich, die anderen konnten nichts Problematisches daran erkennen. Sehen wollten die Videos aber alle.

Dass Menschen Bilder und Videos von sexuellen Aktivitäten machen, ist keine Seltenheit. Nacktbilder sind Teil des sexuellen Repertoires von Erwachsenen, die Lust aus allen möglichen sexuellen Praktiken ziehen und diese Lust auch dokumentieren möchten. Bei pornografischen Bildern ist es das erotische Sehen und Gesehen-Werden, das Menschen als erregend erleben. Diese Schau- und Zeigelust muss man persönlich nicht nachvollziehen können. Gesellschaftlich ist es aber jedenfalls kein Problem, wenn Menschen ihre Sexualität selbstbestimmt mit anderen Menschen leben - vorausgesetzt natürlich, alle Beteiligten haben Lust auf Sex, sind mit der Aufnahme ihrer sexuellen Aktivitäten einverstanden und haben Spaß daran.

Ein Problem wird es aber, wenn Videos gegen den Willen der Beteiligten an Personen weitergeleitet werden, für die das Bildmaterial nicht bestimmt war. Denn das kann für die Betroffenen massive private und berufliche Konsequenzen haben. Bildaufnahmen des höchstpersönlichen Lebensbereichs ohne Zustimmung der abgebildeten Person zu veröffentlichen, kann dazu führen, dass diese Person öffentlich bloßgestellt wird. Das ist eine Form von Cybermobbing und verboten.

Jeder Mensch hat ein Recht am eigenen Bild. Nacktbilder und pornografische Videos ohne Einverständnis weiterzuleiten ist daher nicht nur moralisch verwerflich, sondern auch rechtlich strafbar. Wer Nacktbilder und sexuelle Videos anderen zugänglich macht, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr rechnen. Außerdem müssen sich Menschen, die „obszöne“ Party-Videos von anderen ansehen und weiterleiten, die Frage gefallen lassen, ob sie es nicht vor allem deswegen tun, um ihre eigene Schau- und Zeigelust damit zu befriedigen.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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