16.01.2021 08:00 |

„Krone“-Kolumne

Onlinesexualität: Das Spiel mit der Distanz

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller darüber, wie Cybersex in der Mitte der Gesellschaft ankommt.

Bereits im ersten Lockdown haben viele Menschen die eine oder andere Form von Onlinesexualität gelebt. Oft genug zum Spaß, manchmal aber auch aus Notwendigkeit, und häufig mit bekannten Menschen, zuweilen aber auch mit fremden Personen, erforschten erfahrungshungrige Erwachsene die digitalen Möglichkeiten einer distanzierten Sexualität. Verschiedene Formen von Cybersex wurden in allen Alters- und Bevölkerungsgruppen ausprobiert. Einige Menschen nutzten im Frühjahr die Lockdown-Zeit, um bewusst mit der Distanz zu einer anderen Person erotisch zu spielen.

Wenn es zwischendurch kein Gefühl von Nähe gibt, wird das aufregende Spiel mit der Distanz auf Dauer jedoch eintönig und schal. Im zweiten Lockdown ist deshalb wohl auch ein wenig Ernüchterung eingekehrt. Noch immer leben einige Menschen ihre Sexualität (auch) digital. Lustvolle Telefongespräche und sexuelle Handlungen via Webcam sind im Lockdown allerdings eher selten. Am häufigsten wird sexuelles Begehren in Textform gegossen: Rund jede fünfte Person hat im Herbst innerhalb von zwei Wochen sexuelle Nachrichten an eine Person versendet. Nacktfotos werden etwa von jeder zehnten Person mit anderen geteilt.

Cybersex kann einen leidenschaftlichen Kuss und körperliche Berührungen nicht ersetzen. Wohl aber sind Onlinesexualitäten längst Teil des sexuellen Repertoires von Menschen geworden, sozusagen ihres sexuellen Werkzeugkastens oder Speiseplans, aus dem sie nach Lust und Laune wählen können. Zumindest wenn das Internet funktioniert. Onlinesexualität gilt auch als (medizinisch) sichere Alternative zu persönlichen Treffen für Sex in der Pandemie. Und manchmal erleichtert es Menschen, die im persönlichen Kontakt zurückhaltend sind, im digitalen Raum ihre Sexualität lustvoll auszuprobieren.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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