04.01.2021 08:00 |

Kolumne „Stadtpikant“

Erste Liebe im Corona-Kontaktverbot

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal zur sexuellen Selbstbestimmung von Jugendlichen. 

Die meisten Menschen würden sich für ihre Kinder wünschen, dass diese ihre Sexualität selbstbestimmt leben können. Niemand soll zu etwas gezwungen oder überredet werden, was sie oder er nicht will. So klar die Regeln für unerwünschte sexuelle Annäherungen sind, so ratlos sind Eltern und andere Erwachsene oft, wenn es darum geht, wie sie mit der von Jugendlichen erwünschten Sexualität umgehen können und sollen. Sexualerziehung von heranwachsenden Menschen lustfreundlich zu besprechen, ist auch ohne Pandemie eine Herausforderung für viele Erwachsene.

Seit dem Frühjahr ist es für Jugendliche und junge Erwachsene schwieriger geworden, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Aus Angst vor einer Ansteckung mit COVID-19 durch unvorsichtige Jugendliche setzen viele Erwachsene im Lockdown auf Drohungen und Verbote. Jugendliche berichten zum Beispiel, dass sie ihre Beziehungsperson teilweise wochenlang nicht sehen können, weil Eltern dem jungen Paar den Kontakt verbieten. Jugendliche leiden mehr noch als ältere Menschen besonders stark unter den Kontaktbeschränkungen und fühlen sich sozial isoliert.

In manchen Fällen gingen durch undifferenzierte Kontaktverbote intime Beziehungen sogar in die Brüche. Auch für homosexuelle Jugendliche, die sich Kontakt zu anderen queeren Jugendlichen wünschen und in diesen Gruppen psychosoziale Unterstützung erfahren, kann die soziale Isolation in der Familie auf Dauer sehr belastend werden.

Aus der Forschung weiß man, dass Verbote bei Sexualität weniger das Verhalten ändern als dass sie Menschen unter Druck setzen, ihre Sexualität geheim zu halten. Rechtlich gesehen sind Jugendliche ab 14 Jahren sexuell mündig. Jetzt wäre doch eine gute Zeit, einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität, Beziehungen und gesundheitlichen Risiken zu üben. Im selbstbestimmten Tun lernt man oft am meisten über Selbstbestimmung.

Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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