30.12.2020 09:00 |

Kritik und Spott

Ansturm: Gratwanderung für Salzburgs Seilbahner

Warteschlangen, Staus und übervolle Parkplätze: Die Seilbahnen in den Gletschergebieten platzten am Wochenende aus allen Nähten. Von Fehlern sprechen die wenigsten Betreiber. Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen, steht nun international in der Kritik.

„Endlich wieder Ischgl“, schreibt der „Spiegel“ am 27. Dezember. Am Wochenende stürmten Tausende - trotz Lockdowns - die Skigebiete. Die Fotos von hunderte Meter langen Warteschlangen und dicht gedrängten Menschen gingen um die Welt und riefen die Bilder ausufernder Partyexzesse in Skihütten im Tiroler Ort Ischgl in Erinnerung.

Die Ansammlungen bei den Liften hätte man nicht verhindern können - die Kapazitätsgrenzen der Regierung seien der Grund dafür, so der Tenor vieler Betreiber. Allen voran der berühmt-berüchtigte Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen in Österreich. Angesprochen auf die Frage, ob Österreich beziehungsweise Tirol aus Ischgl nichts gelernt habe, reagierte der ÖVP-Mandatar empört: „Dieser Vorwurf ist populistisch und unfair! Seilbahnen sind grundsätzlich keine großen Gefahrenquellen.“ Die Infektionen vom Frühjahr seien nur auf Après-Ski-Partys und nicht auf den Wintersport an sich zurückzuführen. Mehr als 11.000 Menschen infizierten sich allein im März in Österreich - großteils in Ischgl - mit dem Virus.

Salzburgs Seilbahner feilen an Maßnahmen

Auch in Salzburg ist der Ansturm Skibegeisterter ungebrochen. Am Dienstag musste das Skigebiet Hochkönig bereits um 9 Uhr in der Früh dicht machen - die Besuchergrenze von 3500 Personen war erreicht. „Es ist eine Gratwanderung. Einerseits freuen wir uns, dass so viele Leute kommen. Andererseits macht ein Ansturm das Einhalten der Maßnahmen schwieriger“, berichtet Siegfried Plöbst, Chef der Hochkönig Bergbahnen. Die Notbremse musste auch die Region Zauchensee ziehen. 6000 Besucher überrannten am vergangenen Sonntag das Gebiet. „In Flachauwinkl ist das System zusammengebrochen. Die Besucher haben die Absperrungen niedergerissen“, so Geschäftsführerin Veronika Scheffer.

Jetzt wurde nachgeschärft: „Wir haben Securitys aufgestockt und die Korridore im Wartebereich verlängert.“ Salzburgs Liftbetreiber fordern nun eine Lockerung der Kapazitätsgrenzen von 50 Prozent. „Gerade bei den Sesselliften muss man nachschärfen. Könnte man hier mehr Personen transportieren, wären die Warteschlangen viel kürzer“, betont Erich Egger, Salzburgs Seilbahnsprecher.

Stephanie Angerer
Stephanie Angerer
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