19.12.2020 08:00 |

Kolumne „Stadtpikant“

Die kleinen Dinge im (Corona-Krise-)Leben

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller darüber, was Menschen machen, damit es ihnen gut geht. 

Von psychologischer Seite heißt es: Sport treiben verbessert die Stimmung. Und tatsächlich feiert YouTube-Yoga, und das Fitnessvideo generell, ein sattes Revival. Aber was machen Menschen, die Sport nicht so lustig finden? Für viele ist es gerade schwierig durchzuhalten. „Was machst du, damit es dir gut geht?“ Diese Frage habe ich 1500 Menschen im 2. Lockdown gestellt und ist auch eine der häufigsten Fragen, die ich in meinen sexualpädagogischen Workshops stelle.

Hier die Top-5-Liste an schönen Dingen, die Menschen für sich entdeckt haben, damit es ihnen gut geht (Sport ausgenommen):

  1. Ganz oben auf der Liste rangiert Spazierengehen: Ob mit Hund oder Freund, im Wald oder im Grätzel, lange Spaziergänge sind für viele Menschen das neue Biertrinken geworden. Pandemie-konform ist die neue Freude an der Natur obendrein.
  2. Kreativ-sein und neue alte Hobbies entdecken: Zeichnen, Basteln, Handarbeiten, ein Musikinstrument spielen, das Zimmer umgestalten, die Wohnung verschönern, Möbel bauen, Pflanzen pflegen, Socken stricken. Es geht nichts über die neue Häuslichkeit.
  3. Im Moment verpasst man sicher nichts, wenn man die Zeit mit sich selbst genießt: Puzzlen, ein Bad nehmen, zur Ruhe kommen, meditieren, masturbieren, Musik hören, lesen, mit gutem Gewissen faul sein, mehr schlafen. Alles erlaubt.
  4. Kulinarische Lüste: Backen, Kochen, Dampfgaren, Gratinieren, Einkochen, Fermentieren, Pralinen herstellen, zum Frühstück einen Eisbecher essen. Auch gemeinsam unter der Woche Festtagsmenüs kochen (und essen) finden viele Menschen zurzeit richtig gut.
  5. Die Zeit mit netten Menschen genießen und Beziehungen vertiefen: Online-Spieleabende, gemeinsam online im Chor singen, Witze erzählen. Anderen Geschenke machen. Sich ehrenamtlich engagieren und solidarisch sein. Gemeinsam sudern erfüllt denselben Zweck, geht aber am besten in Wien. 

Das mag auf den ersten Blick banal erscheinen. Aber Häuslichkeit, Gelassenheit und Gemütlichkeit sind aktuell wichtige Strategien, die sich Menschen gesucht haben, um die Krise zu bewältigen. Im Winterschlaf ist die Angst unbegründet, langweilig zu sein. Langweilig gegenüber wem oder was auch? Falls es doch einmal langweilig wird, können immer noch aufregende Pläne für die Zeit danach geschmiedet werden.

Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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