16.12.2020 08:00 |

Kolumne „Stadtpikant“

Corona-Krise: Sex als logistische Herausforderung

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal zur (fehlenden) Intimität in Familienhaushalten.

Eltern haben genauso viel Lust auf körperliche Nähe, Selbstbefriedigung und Partnersex wie Menschen, die nicht mit Kindern zusammenleben. Allerdings lässt ihnen ihr Alltag oft zu wenig Zeit, um Intimität und Sexualität wirklich genießen zu können. Jeder Dritte ist überhaupt so gestresst, dass sie oder er gar keine Zeit für Sex hat. Die Pandemie hat die ohnehin geringen Zeitfenster für Sexualität weiter geschlossen. Wenn Kindergärten und Schulen sperren, bleibt kein Raum mehr für partnerschaftliche Intimität. Im wahrsten Sinne des Wortes.

„Kinder sind jetzt immer im Haus. Sex nur im Auto möglich.“ So brachte ein lustvoller Vater, Mitte 50, auf den Punkt, warum er im ersten Lockdown seine Paarbeziehung nicht so leben konnte wie er wollte. Und tatsächlich ist Sex in der Pandemie oft ein Raumproblem. Von zehn Eltern haben nur vier einen Ort, an den sie sich zurückziehen und allein sein können. Wenn alle zu Hause sind, wird Solosex wie Partnersex zur logistischen Herausforderung.

Dass Menschen mit Kindern oft an die Grenzen ihrer Ressourcen stoßen, wirkt sich auf das sexuelle Wohlbefinden aus. So waren Paare mit Kindern im Haushalt zu Beginn der Pandemie häufiger unzufrieden mit ihrem Sexleben als kinderlose Paare. Noch stärker sind Alleinerziehende betroffen, weil sie ihr sexuelles Begehren meist nicht zwischendurch mal schnell in der Garage ausleben können. Auch der zweite Lockdown war für Menschen, die für Kinder verantwortlich sind, eine schwierige Zeit. Nach wochenlanger intensiver Nähe und Geborgenheit in der Familie beklagen Eltern nun jedoch vor allem eines: Dass sie keine Zeit mehr für sich selbst haben.

Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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