06.12.2020 16:04 |

Umstrittener Plan

Afghanistan will Moscheen als Volksschulen nutzen

Umstrittene Reform in Afghanistan: Nach Plänen des Bildungsministeriums sollen Grundschüler künftig für mehrere Jahre in Moscheen unterrichten werden. Der Islam solle eine wichtigere Rolle im Bildungswesen erhalten, teilte die Behörde am Wochenende mit. Kritiker sehen einen Schritt zur „Talibanisierung“ des Landes.

Den Plänen zufolge sollen Kinder bis zur dritten Klasse die nächstgelegene Moschee besuchen und dann in eine reguläre, nicht-religiöse Schule wechseln. Das Vorhaben soll schrittweise umgesetzt werden. Genaue Angaben zum Zeitplan gibt es noch nicht.

Sorge, dass Schritt Extremismus Auftrieb verleiht
Die Pläne stießen sofort auf Kritik. Viele glauben, dass ein solcher Schritt dem Extremismus im Land Auftrieb verleiht. Der afghanische Journalist Mukhtar Wafayee sprach von einem Schritt zur „Talibanisierung“ der Gesellschaft. Der Schriftsteller Yaqub Yasna schrieb auf Facebook, Moscheen seien kein angemessenes Umfeld für Unterricht. Kinder dorthin zu schicken, sei ein Missbrauch von Bildung und Religion.

Nach Angaben der UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF verschärften sich durch die Corona-Krise die ohnehin bestehenden Defizite im Bildungssystem in Afghanistan. Dem Jahresbericht der Organisation zufolge gehen in Afghanistan immer noch 3,7 Millionen Kinder nicht zur Schule. Nur etwas mehr als die Hälfte der Kinder überhaupt absolviere die Grundschule.

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