08.12.2020 07:00 |

Kolumne „Stadtpikant“

Über den sexuellen Reiz von Tabus in der Fantasie

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal über Solosex und Pornografie. 

Innerhalb von zwei Wochen masturbiert mehr als die Hälfte der Männer zu Pornos, meistens alleine. Egal ob Single oder verheiratet, jung oder alt, hetero-, homo- oder bisexuell: Männer steigern ihre Erregung beim Solosex häufig mit sexuellem Bild- und Videomaterial. Weniger bekannt ist, dass manche auch gemeinsam mit Partnerinnen, Partnern oder Freunden Pornos schauen. Und natürlich konsumieren auch Frauen sexuelle Videos, wenn auch viel seltener als Männer, weil die meisten Pornos wirklich nicht für sie gemacht sind.

In der Fantasie hat das Tabuisierte oft einen besonderen sexuellen Reiz. Dass die Produktionsbedingungen von Pornos unterirdisch und die Genitalien sowie der Sex gänzlich unrealistisch sind, wissen alle, ändert aber nichts daran, dass Pornokonsum eine der häufigsten sexuellen Praktiken überhaupt darstellt. „Gute“ Pornos muss man (und frau noch viel länger) suchen - und meistens dafür bezahlen, so auch für das gemeinsame Schauen lebensnaher Pornografie bei alternativen Pornofilmfestivals.

Manche Menschen werden angesichts der Probleme der Pornoindustrie kurzerhand selbst vor und hinter der Kamera aktiv und wechseln von der Rolle der Konsumenten in die Rolle der Produzenten. Interessanterweise hat während des ersten Lockdowns immerhin eine von 60 Personen sexuelle Bilder und Videos auf eine Sexplattform oder Pornoseite hochgeladen. Konservativ geschätzt könnten sich in Zeiten der Langeweile 90.000 Österreicher und Österreicherinnen (amateur-)pornografisch betätigen.

Tipp: HIER können Sie an einer Befragung zum Thema Sexualität in Corona-Zeiten teilnehmen.

Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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