06.12.2020 06:30 |

Kolumne „Stadtpikant“

Waren Sie dieses Jahr auch brav?

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller über Online-Dating, Nikolo-Rollenspiele und sexuelle Mündigkeit.

Waren Sie dieses Jahr brav? Diese Frage können Österreichs Singles zum Nikolo jedenfalls mit „Ja“ beantworten. Angeblich laufen die Onlinedating-Apps Tinder & Co gerade heiß. Verlässt man sich nur auf die Daten, die Partnerbörsen veröffentlichen, könnte man glauben, dass Singles im Lockdown ein richtig aufregendes Sexleben führen. Und sogar die Regierung sah sich veranlasst zu präzisieren, dass Internetbekanntschaften keinesfalls ‘echte‘ Bezugspersonen darstellen. Im Gegensatz zum Nikolo dürfen sie keinen persönlichen Kontakt haben. Vielleicht beobachten wir am Wochenende nun einen neuen Dating-Trend: Nikolo-Rollenspiele.

Die Daten von kommerziellen Partnerbörsen spiegeln jedoch nicht die veränderte Partnersuche im Lockdown wider. Bereits im ersten Lockdown zeigte sich, dass jeder Dritte, der Onlinedating für die Partnersuche nutzte, pausiert hat. Insgesamt ist es in der Bevölkerung zu einem massiven Rückgang sexueller Kontakte gekommen. Vor allem Singles schränkten ihr Sexleben stark ein. Die Hälfte traf Sexpartnerinnen und -partner seltener oder gar nicht während des ersten Lockdowns.

Jene Menschen, die auf Partnerbörsen ihre Freizeit verbringen, haben bereits im Frühjahr neue Formen der Beziehungsanbahnung entwickelt. Man lernte sich im digitalen Raum oder beim Spaziergehen kennen. Manche wollten einfach nur mit jemand reden und machten aus ihren Dates Brieffreundschaften. Jeder dritte Single lehnte eine Einladung zu Sex ab. Verabredungen wurden für nach dem Lockdown vereinbart. Die anderen konzentrierten sich häufig auf eine interessante Bekanntschaft - und zogen manchmal spontan in einen Haushalt zusammen.

Gerade von jenen Menschen, die ansonsten wechselnde Partnerinnen und Partner haben, ist im ersten Lockdown ein umfassender Beitrag zur Krankheitsprävention geleistet worden. Wie Menschen zu ihren intimen Bezugspersonen kommen, geht ab der sexuellen Mündigkeit niemand etwas an. Und das ist in Österreich ab 14 Jahren der Fall. Dann sollte es jedem freistehen selbst zu entscheiden, wer die wichtigsten Bezugspersonen sind.

Tipp: HIER können Sie an einer Befragung zum Thema Sexualität in Corona-Zeiten teilnehmen.

Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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