01.12.2020 16:55 |

Optimismus ist gefragt

„Die Branche braucht jetzt positive Signale“

Robert Küng, Obmann-Stellvertreter der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer, über das Weihnachtsgeschäft in Zeiten des zweiten Lockdowns, innovative Händler und die Notwendigkeit, optimistisch zu sein.

Herr Küng, bereits im Sommer hat die gesamte österreichische Handelsbranche für das Jahr 2020 mit Umsatzeinbußen von einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr gerechnet. Der Lockdown light hat die Kundenfrequenz seit Anfang November bereits deutlich sinken lassen. Nun kommt der Handel komplett zum Erliegen. Mit welchen Umsatzverlusten rechnen Sie?

Das lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Ich befürchte allerdings, dass es deutlich dramatischer wird als im Frühjahr. Der Handel hatte sich gerade erst mühsam zurückgekämpft. Das Weihnachtsgeschäft, das im November bereits in vollem Gang ist, hätte wesentlich dazu beitragen können, dass die Unternehmen zumindest nur mit einem blauen Auge davongekommen wären. Nun schaut die Situation insbesondere für den regionalen Einzelhandel durchaus prekär aus. Speziell in Segmenten mit saisonaler Ware - etwa Bekleidung, Sportartikel oder Spielwaren. Mit Blick auf Weihnachten wurden die Lager gefüllt. Jetzt befürchten viele Händler, auf der Ware sitzen zu bleiben.

Wenn die Kunden auf Amazon und Co. setzen, werden sie das wohl auch ...

Ja, allerdings muss man sagen, dass sich die Vorarlberger bereits im Frühjahr überaus loyal gegenüber dem heimischen Handel verhalten haben. Die Menschen sind sich darüber im Klaren, dass nicht die großen globalen Konzerne die Arbeitsplätze schaffen, sondern die regionalen Betriebe. Und sie wissen, dass "die Amazons" dieser Welt nicht die Löhne ihrer Verwandten, Freunde und Bekannte bezahlen.

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"Die Vorarlberger haben sich bereits im Frühjahr überaus loyal gegenüber dem heimischen Handel verhalten."

Robert Küng

Wenn man sich das rege Treiben unmittelbar vor dem Lockdown angeschaut hat, scheint das tatsächlich so zu sein. Die Straßen waren voll und die Menschen standen vor den Geschäften Schlange - und das nicht selten dicht gedrängt. Wie kann verhindert werden, dass es am 7. Dezember, sofern die Läden wieder offen haben dürfen, nicht wieder so zugeht?

Einerseits darf der Handel nicht auf die Zeit nach dem Lockdown warten. In der Hinsicht muss man aber betonen, dass die heimischen Betriebe schon bei der ersten Phase im Frühjahr sehr innovativ reagiert haben. Sie haben sich in kürzester Zeit auf die neue Situation eingestellt und Online-Shops, Lieferservices und andere regionale Lösungen angeboten, die von den Menschen auch angenommen wurden. Nun gilt es mehr denn je, die beschworene Einigkeit und Regionalität jetzt und in Zukunft zu leben. Und insofern appelliere ich an die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, dass sie bei den Weihnachtskäufen die Angebote des regionalen Handels nutzen - und zwar jetzt, nicht erst, wenn das Land im Dezember hoffentlich wieder aufsperrt. Es gilt, die Online-Shops der regionalen Geschäfte aber auch die diversen Gutscheinangebote der Einkaufs- und Wirtschaftsgemeinschaften zu nutzen. Ich bin mir außerdem sicher, dass die alle Händler für Fragen und Wünsche jederzeit erreichbar sind und versuchen werden, die besten Lösungen zu finden. Da reicht oft ein Anruf.

Haben die Menschen jetzt überhaupt noch Geld zum Einkaufen?

Das kann man natürlich so allgemein nicht sagen. Aber viele haben dieses Jahr weniger ausgegeben, weil sie es einfach nicht konnten. Und andere haben aufgrund der Unsicherheit gespart. Das, was auf den Konten liegt, fehlt allerdings dem Handel und das gefährdet letzten Endes Unternehmen und Arbeitsplätze. Entscheidend wird sein, wie schnell wir wieder in einen Normalbetrieb kommen.

Dafür soll es Unterstützungshilfen in der Höhe von drei Milliarden Euro geben. Noch bevor die genauen Richtlinien da sind, kritisiert etwa der Handelsverband, dass der Handel je nach Branche zwischen 20 und 60 Prozent bekommen soll, während Gastronomie und Dienstleister 80 Prozent Ersatz für ihren entgangenen Umsatz im Vergleich zum November 2019 erhalten.

Wer wie viel bekommt und wie genau alles berechnet wird, steht noch nicht fest. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass sich die Neidgesellschaft in Österreich hier zurücknimmt. Denn es kommt jetzt vor allem darauf an, dass so vielen Betriebe wie möglich geholfen wird - und zwar zielgerichtet, bedarfsgerecht, unbürokratisch und schnell. Im Frühling war das ja nur bedingt der Fall. Hoffen wir, dass es nun tatsächlich anders läuft, schließlich stehen im Dezember und Jänner die gestundeten Steuerzahlungen an und nicht zu vergessen der 14. Gehalt für die Mitarbeiter.

Rasche Hilfe ist wichtig, denn die Gefahr besteht, dass manche Betriebe gar nicht mehr aufsperren.

Stimmt. Zudem braucht es positive Signale. Die Menschen sind sehr verunsichert. Das ist gefährlich. Sie leiden unter der Maske, unter dem fehlenden sozialen Kontakt - gerade in dieser Zeit des Jahres, in der man sich normalerweise mit Familie und Freunden zurückzieht. Viele positive Signale kommen übrigens aus der Wirtschaft: Die heimischen Betriebe haben einmal mehr gezeigt, dass sie innovativ sind und noch dazu azyklisch investieren, obwohl dieses Jahr alles andere als leicht war. Trotzdem haben sie das Geld in die Hand genommen und sich dadurch gegenseitig unterstützt, indem sie regional Aufträge verteilt haben. Wir müssen weg von der Sicht des Einzelnen, hin zu einer ganzheitlichen Sicht. Wirtschaft und Bevölkerung haben es vorgemacht und sich gegenseitig gestärkt. Wenn wir alle weiterhin bei den regionalen Händlern unseres Vertrauens einkaufen, können die Geschäfte - zusammen mit dem Geld vom Staat - vernünftig durch diese Phase kommen.

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"Wir müssen weg von der Sicht des Einzelnen, hin zu einer ganzheitlichen Sicht. Wirtschaft und Bevölkerung haben es vorgemacht und sich gegenseitig gestärkt."

Robert Küng

Miteinander durch die Krise sozusagen.

Ja, und zwar möglichst optimistisch. Setzen wir alles daran, dass wir diese schwierige Zeit gemeinsam so gut wie möglich meistern. Und es mag für manche eine leere Phrase sein, aber ich bin davon überzeugt, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden.

Christiane Mähr

 Vorarlberg-Krone
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