18.11.2020 10:24 |

Rechnungshof-Kritik

Pflegezentrum Mautern: Zu teuer, zu wenig Betten

Vor drei Jahren wurde das neue, große Landespflegezentrum in Mautern eröffnet, nun setzt es eine gehörige Schelte vom Landesrechnungshof (wie schon vor fünf Jahren bei der Projektkontrolle vor dem Neubau): Die Bettenreduktion sei nicht nachvollziehbar, den Aufbau der Kurzzeitpflege habe man verabsäumt. Die Allgemeinflächen seien zu großzügig dimensioniert, die Kosten im Vergleich zu anderen Pflegeheimen zu hoch.

Jahrelang wurde um den Neubau des Pflegezentrums in Mautern gerungen. Im Juli 2016 erfolgte schließlich der Baubeginn, im Dezember 2017 fand die Eröffnung statt. Danach wurde das alte Gebäude abgerissen, die Gesamtanlage Ende September 2019 fertiggestellt. 

Kurz vor dem Baubeginn hat die Landesregierung beschlossen, die Bettenanzahl von 114 auf 84 (in 54 Einzel- und 15 Doppelzimmern auf drei Pflegestationen) zu reduzieren. Dadurch wurden 1,90 Millionen Euro eingespart, doch vom Rechnungshof unter Direktor Heinz Drobesch setzt es nun viel Kritik: „Die Reduktion der Betten kann nicht nachvollzogen werden“, heißt es im Prüfbericht. Denn eigentlich gibt es die Vorgabe, dass die stationäre Kurzzeitpflege ausgebaut wird, um pflegende Angehörige besser unterstützen zu können - das wurde eben in Mautern verabsäumt.

RH-Empfehlungen blieben unberücksichtigt
Zudem blieben wesentliche Empfehlungen des Rechnungshofs aus der Projektkontrolle unberücksichtigt, etwa die großzügig dimensionierten Allgemeinflächen im Erdgeschoß zu reduzieren. Das führte zu hohen Kosten. Dass weiters die Landesimmobiliengesellschaft knapp vor Fertigstellung des Rohbaus rückwirkend für dieses Bauprojekt als Generalübernehmer beauftragt wurde, obwohl es eigentlich ständig von Mitarbeitern der Abteilung für Verkehr und Landeshochbau abgewickelt wurde, ist für die Prüfer nicht zweckmäßig.

Der Neubau des Landespflegezentrums kostete 15,56 Millionen Euro. Bereits bei der Projektkontrolle 2015 waren die Kosten im oberen Bereich im Vergleich zu 18 ausgewählten ähnlichen Referenzprojekten (in der Steiermark, in Niederösterreich und Deutschland) angesiedelt; wegen der Verringerung der Betten stiegen die Kostenkennwerte noch weiter stark an. Bei der Gegenüberstellung der Errichtungskosten pro Bett stellt sich das Heim nun als das teuerste aller 18 Vergleichswerte dar!

64 Prozent über dem Durchschnittswert
Vor allem auch im direkten Steiermark-Vergleich steht das Pflegezentrum in Mautern ganz schlecht da: Der Mittelwert der vier steirischen Referenzprojekte beläuft sich bei den Errichtungskosten pro Bett auf knapp unter 100.000 Euro, während Mautern mit Kosten von über 160.000 Euro um 64 Prozent über diesem Durchschnittswert liegt. Im Vergleich zum günstigsten steirischen Projekt verursachte Mautern gar die doppelten Kosten pro Bett.

Kages trifft Kritik nicht
Betrieben wird das Heim von der Krankenanstaltengesellschaft Kages. Nachdem man das Heim erst nach der Fertigstellung übernommen hat, kommentiert man die Rechnungshof-Kritik nicht.

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