14.11.2020 07:00 |

Forscher im Visier

60 Razzien: Spur führt auch zu Uni Salzburg

Steirische Ermittler haben unter anderem einen Politologen der Uni im Visier. „Wenn etwas an den Vorwürfen dran ist, reagieren wir“, betont Rektor Hendrik Lehnert. Er weist auf die Unschuldsvermutung hin. 

„Ich habe davon aus den Medien erfahren“, so der Vorsitzende der Islamischen Glaubensgemeinde (IGGÖ) in Salzburg, Ridvan Tekir. Es geht um die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Graz wegen des Verdachts der Terrorfinanzierung gegen einen Politikwissenschafter der Universität Salzburg. Tekir wollte die Ermittlungen gegen den Politologen vorerst nicht kommentieren. Es sei zu früh, so der IGGÖ-Chef. Auch der Betroffene selbst schwieg bisher zu den Vorwürfen gegen ihn. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen 70 Beschuldigte wegen der Paragrafen: Terroristische Vereinigung (278b StGB), Terrorismusfinanzierung (278d StGB), staatsfeindliche Verbindungen (246 StGB), kriminelle Organisation (278a StGB) und Geldwäscherei (165 StGB).

Ermittler folgten Spur von ausländischem Geld
Der Oberösterreicher geriet in Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Unterstützer der Muslimbruderschaft ins Visier der Justiz. Er forscht bereits seit Jahren an der Universität Salzburg. Auf die Spur brachte die steirischen Ermittler das Geld für seinen Posten als Projektmitarbeiter. So soll sein Job teils durch den Fördertopf einer arabischen Stiftung mit Sitz in Liechtenstein finanziert worden sein. „Ein weltweit üblicher Vorgang“, wie Rektor Hendrik Lehnert erklärt. Aussagen der Uni, dass sich die Stiftung in der Schweiz befinde, stellten sich am Freitag als falsch heraus.

Laut Auskunft in einem Liechtensteiner Register dient die nach dem arabischen Scheich Abdul Latif Jameel benannte „Education Foundation“ der „Förderung der Allgemeinheit durch Ausschüttungen oder die Gewährung von sonstigen wirtschaftlichen Vorteilen an Institutionen, die für das Gemeinwohl in den Bereichen Bildung, humanitäre Hilfe, Wissenschaft und Kultur tätig sind“. Lehnert dazu: „Es ist eine philanthropische Einrichtung, die auch mit Elite-Unis wie Cambridge zusammenarbeitet.“ Er will nun abwarten. „Wenn etwas an den Vorwürfen dran ist, reagieren wir. Ansonsten gilt die Unschuldsvermutung.“

Die Arbeit des Politologen wurde in der Vergangenheit bereits mit EU-Geldern gefördert, gilt in einschlägigen Kreisen jedoch auch als umstritten. So bezeichnete der Präsident der Initiative Liberaler Muslime Österreich, Amer Albayati, eine Studie des Forschers im Herbst 2019 als ein „Propagandawerk“ für den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan.

Nikolaus Pichler
Nikolaus Pichler
Verena Seebacher
Verena Seebacher
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