Asyl-Härtefall

Mutter mit Tochter und Baby vor Polizei untergetaucht

Steiermark
22.10.2010 12:32
Immer mehr prekäre Abschiebungs-Fälle werden mit der angeheizten Debatte um Kinder- und Aufenthaltsrechte bekannt. Das neueste Drama spielt sich in der Oststeiermark ab. Eine Familie aus Dagestan sollte am Donnerstag im Morgengrauen von der Fremdenpolizei in die Slowakei überstellt werden. Doch dazu kam es nicht, weil die Mutter mit den beiden jüngsten Kindern - Mädchen im Alter von sieben Jahren bzw. acht Monaten - verschwunden ist. Um zu klären, welches Land für die Familie zuständig ist, haben die Behörden ganze vier Jahre gebraucht.

Die Fremdenpolizei stand am Donnerstag gegen 6 Uhr früh vor der Tür der Familie in Ratten. Doch die Mutter und die beiden Mädchen waren nicht anwesend, getrennt wollte man die Familie - neben dem 43-jährigen Vater gibt es noch einen 14-jährigen Sohn - nicht abführen. Auch beim zweiten Versuch am Freitag fehlte jede Spur von ihnen. Daraufhin sei die Abschiebung abgeblasen worden, heißt es aus dem Fremdenreferat der Bezirkshauptmannschaft Weiz.

Vierjähriger Instanzenzug
Die Familie aus der von Bürgerkrieg und Separatistenterror geplagten Kaukasus-Republik Dagestan sei im Juli 2006 nach Österreich gekommen, so die Behörde. Noch bevor sie hier um Asyl angesucht haben, hätten sie auch in der Slowakei darum angesucht, weshalb nach dem Dublin-Abkommen die Slowakei zuständig sei. Diese Erkenntnis habe man im Jänner 2007 in zweiter Instanz mitgeteilt.
Die Familie legte daraufhin eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof ein, dieser wies sie im vergangenen September - nach dreijähriger Verfahrensdauer - ab. Deshalb habe die Fremdenpolizeibehörde das Überstellungsverfahren eingeleitet, das wegen der untergetauchten Mutter nun auf Eis liegt.

"Wir wissen nicht, wo wir noch suchen könnten"
Der 43-jährige Vater und der Sohn dürfen bis auf Weiteres bleiben, denn eine Überstellung komme nur geschlossen infrage. Der 14-Jährige kann solange auch wieder die Schule besuchen. Wie es weitergeht, wusste man bei der Bezirkshauptmannschaft Weiz nicht, die Entscheidung liege bei der Sicherheitsdirektion. Die aktive Suche nach der 37-jährigen Mutter habe man jedenfalls einstellen müssen: "Wir wissen nicht, wo wir noch suchen könnten."

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