03.11.2020 20:49 |

Teils erst 8 Jahre alt

Kinder wegen „Terrorverherrlichung“ im Visier

Gut zwei Wochen nach dem brutalen Mord an einem Lehrer in Frankreich wird gegen mehrere Schüler wegen des Verdachts der „Terrorverherrlichung“ ermittelt. Unter anderem sollen zwei Zwölfjährige im Großraum Straßburg die Enthauptung des Pädagogen befürwortet haben, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Auch gegen Grundschüler im Alter von acht und neun Jahren werde ermittelt, hieß es. Der Lehrer hatte vor seinem Tod Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt.

Seit der Ermordung des 47-jährigen Samuel Paty wurden nach Angaben des französischen Innenministeriums insgesamt 66 Untersuchungen wegen „Terrorverherrlichung“ eingeleitet. Innenminister Gérald Darmanin äußerte sich zuletzt „extrem besorgt“ darüber, dass junge Leute zwischen zwölf und 16 Jahren eine „Haltung gegenüber extremer Gewalt an den Tag legen, die durch den Islamischen Staat beeinflusst ist“.

Mit Blick auf den IS hatte am Dienstag auch der deutsche Terrorismusexperte Rolf Tophoven gewarnt: Die Terrormiliz sei zwar in der öffentlichen Wahrnehmung in Syrien und im Irak geschlagen, „aber in Wirklichkeit ist er (der IS) nicht besiegt“. Der IS habe eine professionelle Medienstrategie und seine Anhänger zuletzt dazu aufgerufen, in ihren Heimatländern zu bleiben und nicht nach Syrien zu kommen. „Die Gewaltideologie des IS ist noch da.“

Schule des ermordeten Lehrers öffnete erstmals wieder Pforten
Die Mittelschule des ermordeten Lehrers öffnete am Dienstag erstmals seit den Herbstferien wieder ihre Pforten unter strengem Polizeischutz. Die Schüler in dem Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine wurden von Psychologen betreut. Sie sollten unter anderem symbolische Abschiedsbriefe an Paty schreiben.

Ältere Schüler wurden zudem ermutigt, über die Mohammed-Karikaturen zu diskutieren. „Der Psychologe hat uns gesagt, wir sollten alles rauslassen und auch sagen, ob wir es gut finden, die Karikaturen zu zeigen“, erzählte der 14-jährige Ilies. „Acht bis zehn Leute haben gesagt, dass sie es nicht gut finden.“

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte das Zeigen der Karikaturen bei der Gedenkfeier für Paty im Namen der Meinungsfreiheit verteidigt. In einer Reihe muslimischer Länder kam es daraufhin zu Protesten. Vergangenen Donnerstag tötete ein mutmaßlicher Islamist zudem drei Menschen in Nizza. Ob die Tat im Zusammenhang mit dem Karikaturen-Streit steht, wird noch untersucht.

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