31.10.2020 06:00 |

Verbaute Zukunft

Raumplanung: Machen wir es doch wie die Bayern!

 Bis zum Jahr 2050 droht die doppelte Fläche Vorarlbergs unter grauem Beton zu verschwinden. Ein Ende scheint nicht in Sicht, denn die Raumplanungsgesetze werden weiter missachtet. Die Bayern machen es besser.

Ein Gesetz ist nur etwas wert, wenn es eingehalten wird. Diesen Satz müssten sich Politiker zu Herzen nehmen. Bauen wir weiter wie bisher, werden in den nächsten 30 Jahren zusätzlich zur bestehenden Betonwüste weitere 5260 Quadratkilometer Grünfläche unter grauem Beton und Asphalt verschwinden. Das entspricht der doppelten Fläche Vorarlbergs. Eine desaströse Entwicklung, die den Klimawandel befeuert: Versiegelter Boden wird zum Speichern von Wasser und CO2 unbrauchbar, Wälder fehlen als natürliche Klimaanlage, Naturkatastrophen sind die unausweichliche Folge.

Mit der Einhaltung der Raumplanungsgesetze, die auch die Natur schützen sollen, nimmt man es hierzulande leider nicht so genau. Der Bund überlässt die Raumplanung den Gemeinden, und die Länder, die Fehlwidmungen verhindern sollten, kontrollieren viel zu lasch. Dabei gibt es viele Beispiele, die zeigen, dass es auch anders ginge.

Strengeres Ordnungsprinzip in Deutschland
Werfen wir einen Blick zu unseren Nachbarn. Die Bayern nehmen ihre Gesetze ernst: Natur ist Natur und muss als solche bewahrt werden. Schon ein Blick aus dem Flugzeug zeigt, welch strenges Ordnungsprinzip dort herrscht. Ganz im Gegensatz zu Österreich finden sich im Süden Deutschlands weitaus weniger Landstriche, die von Autobahnen und Straßen völlig willkürlich durchzogen sind. In Deutschland geht es generell strukturierter zu, und sogar das große Frankreich löst es intelligenter als wir, etwa weil die Hauptverkehrsstraßen mautpflichtig sind, wodurch das Straßennetz nicht so dicht ausfällt.

In den hohen Norden, nach Finnland, Schweden oder Norwegen, brauchen wir gar nicht erst zu blicken. Diese Länder haben den Vorteil, über viel Fläche mit vergleichsweise wenig Einwohnern zu verfügen. Doch gehen sie gemeinhin achtsamer beim Bauen vor. Gebaut wird meist nur, was nötig ist. Es stellt sich also die Frage, wie es in Österreich so weit kommen konnte. Länder und Gemeinden betonen, auch in puncto Erhaltung der Natur achtsam mit öffentlichen Geldern zu wirtschaften.

Mächtige Baulobby übt Druck auf die Politik aus
Doch in Anbetracht der rasant wachsenden Betonwüste kommt man nicht umhin, die im Hintergrund tätige mächtige Lobby großer Baukonzerne und den von ihr ausgeübten Druck auf die Politik für so manches missratene Projekt mitverantwortlich zu machen.

Dabei sollten wir uns lieber heute als morgen ein Beispiel an der verantwortungsvollen Haltung anderer Länder im Umgang mit der Natur nehmen. Schweden verdient sogar an der Verbrennung des Mülls anderer Länder, und Frankreich lockt mit spektakulären Umweltprojekten. In Singapur fahren Autos teils unterirdisch und die U-Bahn autonom. Viele dieser Länder experimentieren auch mit neuen Baustoffen.

Keine Natur, keine Nahrung - eine Tatsache
So haben Biologen, Architekten und Ingenieure Alternativen zu grauem Beton und kaltem Stahl gefunden: Bakterien, die CO2 aufnehmen und Kalk produzieren oder Pilzfäden, mit denen man Backsteine produziert. Noch lässt sich Beton als wichtiger Baustoff freilich nicht ablösen, doch steigt die Bedeutung natürlicher Materialien massiv.

Roman Lechner, Inhaber der Waldviertler Vollholztischlerei Lechner und Sachverständiger für Holz: „Die Nachfrage nach Holz wächst. Mit Holz werden schon Hochhäuser, Hotel- und Industrieanlagen gebaut. Es gibt neue Verfahren, wodurch Holz im Fall eines Brandes feuerbeständiger ist.“

Bleibt zu hoffen, dass die Politik Einsehen zeigt. Denn geht es weiter wie bisher, wird uns die zubetonierte Natur bald vor Probleme stellen, die existenzbedrohend sind. Keine Natur, keine Nahrung. Eine Tatsache, über die sich nicht streiten lässt.

Dr. Silvia Jelincic, Kronen Zeitung

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