30.10.2020 07:00 |

Steirische Bilanz

Verbot in Gastronomie: Der Rauch hat sich verzogen

Nach langem Kampf trat vor einem Jahr das Tschick-Verbot in der Gastronomie in Kraft. Eine erste Bilanz der steirischen Gesundheitsexperten fällt positiv aus. Die  Trafiken erlitten Einbußen, das „Wirtesterben“ jedoch blieb aus. Wegen der Corona-Pandemie gibt es derzeit keinen lauten Ruf nach weiteren Verschärfungen.

Um Punkt Mitternacht waren die Aschenbecher von den Tischen verschwunden: Als vor einem Jahr, in der Halloween-Nacht auf den 1. November, das absolute Rauchverbot in gastronomischen Innenräumen in Kraft trat, hielten sich beim „Krone“-Lokalaugenschein in Graz die meisten Lokale penibel an die neuen Regeln. In einigen wurde in jener Nacht noch weitergequalmt, ehe sich auch dort der Rauch immer mehr verzog.

Jahrelanger Glaubenskrieg
Das Thema hat polarisiert, es glich über Jahre einem Glaubenskrieg. Von der Politik gab es ein Hin und Her, erst nach dem Ibiza-Skandal schwenkte die ÖVP wieder um und ermöglichte das Ausdämpfen in Lokalen. Zudem wurde das Mindestalter fürs Rauchen auf 18 Jahre angehoben.

„Die Zeit war reif für diesen Meilenstein“, sagt rückblickend Waltraud Posch von der steirischen Suchtpräventionsstelle Vivid. Die Zustimmung in der Bevölkerung war hoch, das „Don’t smoke“-Volksbegehren unterzeichneten knapp 900.000 Menschen.

Mediziner ziehen zufrieden Bilanz
Auch Hellmut Samonigg, Rektor der Medizin-Universität Graz, zieht zufrieden Bilanz. Es gibt „erste Hinweise, dass nun weniger geraucht wird“. So ist laut Statistik Austria die Zahl der Raucherinnen erstmals seit dem Jahr 1972 wieder gesunken!

Die Auswirkungen des Gesetzes gehen laut Posch weit über die Gastronomie hinaus: „Es unterstützt jene, die aufhören wollen - das ist immerhin die Hälfte aller Raucher - und schützt vor einem Rückfall. Er führt mittelfristig auch dazu, dass zuhause weniger geraucht wird. Man gewöhnt sich an, vor die Tür oder auf den Balkon zu gehen.“ Und: Je weniger Erwachsene qualmen, desto seltener werden Kinder und Jugendliche zu Zigaretten verleitet.

In Teilen der Gastronomie war der Aufschrei vor einem Jahr groß - weniger in Speiserestaurants, vielmehr in Bars oder Stehcafés, gerade, wenn sie viel Geld für einen abgetrennten Raucherbereich investiert hatten. Und jetzt? „Das Thema ist gegessen“, meint Klaus Friedl, der steirischer Sprecher der Branche. Sie hat derzeit ja ganz andere Probleme, kämpft angesichts der Corona-Pandemie „um das Überleben“.

Trafikanten verlieren Umsatz
Auswirkungen spüren auch die Trafiken: Immer weniger Wirte verkaufen Zigaretten, sie fallen als Kundschaft weg. „Wenn jemand eine Disco beliefert hat, ging viel Umsatz verloren“, sagt Trafikanten-Obmann Harald Franz Zefferer aus Stainach. Er schätzt den Gesamtrückgang durch das Verbot auf zehn Prozent. Aber auch für die Trafiken ist Corona derzeit das größere Thema.

Österreich hat also im Nichtraucherschutz einen großen Sprung nach vorne gemacht. Aber, so Gesundheitsexperten, es ist noch „Luft nach oben“. Es gibt Stimmen, die weitere Verschärfungen anstreben.

Derzeit kein weiterer Druck
In der Steiermark hält man den Ball flacher. Rektor Samonigg will angesichts der Krise derzeit keinen weiteren Druck auf Raucher ausüben. Und auch Posch von Vivid meint: „Die jüngsten Änderungen sollen sich erst einmal gut festigen.“ Es gibt aber die eine oder andere Sache, wo ihrer Ansicht nach nachgeschärft werden soll: „Einen starken Handlungsbedarf sehe ich bei Nikotinbeuteln. Die sind nicht geregelt“

Jakob Traby
Jakob Traby
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