25.10.2020 05:00 |

Herzschwäche

„Ohne Defi könnten wir nicht mehr telefonieren!“

Das hat mir der Oberösterreicher Josef Wögerbauer während unseres Interviews gesagt. Denn sein seit 2019 implantierter Defibrillator, gegen den er sich zuvor jahrelang gewehrt hatte, hat ihm diesen Sommer das Leben gerettet.

Bereits Ende der 90er-Jahre erlitt Josef Wögerbauer aus Kollerschlag (OÖ) einen Herzinfarkt. Danach versuchte er abzunehmen und hörte konsequent mit dem Rauchen auf. „Im Laufe der Jahre bekam ich dann immer weniger Luft und konnte kaum mehr länger gehen“, berichtet der heute 61-Jährige. „2015 bin ich aufgrund der Atemprobleme nicht einmal mehr zu Fuß in den 1. Stock hinaufgekommen.“ „Herr Wögerbauer litt unter einer hochgradig eingeschränkten Pumpfunktion seines Herzens. Es konnte nur noch 20-25 Prozent seiner Leistung erbringen. Dadurch steigt auch das Risiko für Herzrhythmusstörungen“, erklärt sein behandelnder Kardiologe, Oberarzt Dr. Kurt Höllinger aus dem Klinikum Rohrbach. „Herzschwäche-Patienten mit einer Herz-Auswurfleistung unter 30-35 Prozent, die nicht durch Medikamente etc. verbessert werden kann, sollten einen implantierbaren Defibrillator erhalten.“ Er riet seinem Patienten daher dazu.

„Dr. Höllinger meinte, ich könnte jederzeit Kammerflimmern bekommen, das mich mein Leben kosten könnte. Ich vertraue ihm zwar, weil er ein toller Arzt ist, der sich wirklich um seine Patienten kümmert. Trotzdem hab ich mir gedacht, dass ich eh gut beisammen bin. Daher habe ich die Entscheidung immer hinausgeschoben“, erzählt der Mühlviertler, dem der Kardiologe damals zudem eine Herzkatheter-Untersuchung empfahl. „Zwei Herzkranzgefäße waren bereits zu, das dritte verengt, ein Stent nicht mehr möglich“, fasst der Facharzt das Ergebnis zusammen. Daher erhielt der Bäckermeister kurze Zeit später vier Bypässe. Die Pumpfunktion erholte sich aber leider nicht. Bei jedem Kontrolltermin redete ihm Dr. Höllinger daher weiterhin (erfolglos) ins Gewissen, sich einen Defi einbauen zu lassen - zurecht, wie Sie noch lesen werden. September 2019 willigte er endlich ein.

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Ein implantierter Defi schützt das Herz wie ein Airbag im Auto. Man braucht ihn nicht tagtäglich, aber im Notfall ist er da.

Oberarzt Dr. Kurt Höllinger, Klinikum Rohrbach.

Ein solcher Defibrillator sieht aus wie ein etwa streichholzschachtelgroßes Kästchen. „Er wird in eine etwa 8x8 cm große Hauttasche unter dem linken Schlüsselbein eingesetzt. Vom Gerät führen Sonden über große Venen bis in die Herzinnenräume“, beschreibt Dr. Höllinger, der die Operation gemeinsam mit Chirurgen am Klinikum Rohrbach durchgeführt hat. „Am nächsten Tag konnte ich das Spital wieder verlassen“, so der mehrfache Vater und Großvater. Für zu Hause bekommt jeder Patient ein Gerät mit, das optisch einem Handy ähnelt und am besten am Nachttisch platziert wird. Der Defi „redet“ jede Nacht mit diesem Apparat, der die Daten wiederum an das Krankenhaus weiterleitet (sogenannte telemedizinische Überwachung).

Wie funktioniert ein implantierter Defi?
„Er schützt das Herz wie ein Airbag im Auto. Man braucht ihn nicht tagtäglich, aber im Notfall ist er da. Der Defi beobachtet das Herz nur. Kommt es zu Kammerflimmern, beendet er diese lebensgefährliche Herzrhythmusstörung, indem er einen Stromstoß (Schock) abgibt“, erklärt der Facharzt bildhaft. Ende Juli 2020 trat beim 61-Jährigen dann tatsächlich das auf, was Dr. Höllinger vorhergesehen hatte: Kammerflimmern. „In meinem Wohnzimmer wurde mir plötzlich schwarz vor Augen. Meine Frau Ernestine, die dabei war, hat mir danach erzählt, dass ich vom Sessel gefallen bin. Mein Defi dürfte sofort angesprungen sein. Zusätzlich hat meine Frau zur Sicherheit eine Herzdruckmassage gemacht. Nach wenigen Minuten war ich wieder bei Bewusstsein“, berichtet der Oberösterreicher. Kurze Zeit später rief ihn auch schon OA Dr. Höllinger an, der Defi hatte die medizinischen Daten des Vorfalls bereits selbstständig an das Krankenhaus geschickt. Er bestätigte seinem Patienten: „Ja, das war Kammerflimmern.“ „Der Defi hat mein Leben gerettet. Ohne ihn hätten wir gar nicht mehr telefonieren können“, sagt mir Josef Wögerbauer abschließend.

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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