17.10.2020 06:00 |

Kuchl in Quarantäne:

Ein ganzer Ort für zwei Wochen im Ausnahmezustand

Sprachlosigkeit herrscht in Kuchl vor der Quarantäne und es wird auch Kritik laut. 

Letzter Tag vor der Quarantäne: Bürgermeister Thomas Freylinger (VP) kommt gerade von einer Sitzung mit der Polizei. „Die Exekutive hat zwar Erfahrung damit“, so der Ortschef. Kuchl sei aber anders als touristisch geprägte Orte im Innergebirg, die im Frühjahr abgeriegelt waren. Es gibt auch eine Reihe von produzierenden Betrieben. Bei „Untah technology“ versuchte man am Freitag noch, das Schlimmste abzuwenden. Von 200 Mitarbeitern kommen 150 von auswärts. Es wurde geprüft, wer für die nächsten Wochen bei einem Gasthof im Ort einziehen kann.

Und auch die Gemeindegrenzen zu den Nachbarorten verschwimmen. Rund 25 Kuchler Kinder gehen in Golling in die Volksschule. Seit Freitagmittag ist klar: Das dürfen sie weiterhin.

Im Ortskern waren am Freitag auch kritische Töne zu hören. „Man wird sehen, was das überhaupt bringt“, meint eine Dame und eilt gleich weiter. In den sozialen Medien werden die Kuchler da schon konkreter. Gerhard Brandauer, zweiter Vize (SP) im Ort, hat vor Jahren eine Info-Plattform für Kuchl gegründet. „Seit Dienstag gehen die Posts auf der Seite durch die Decke“, erzählt er, dass die Kommentar-Funktion vorübergehend deaktiviert ist. Er wehrt sich aber dagegen, dass in Kuchl auffällig viele die Maßnahmen verweigern würden. Kuchl sei nicht ein Ort der gewissenlosen Partytiger. „Was bei den Maßnahmen sprachlos macht, ist das vieles unkoordiniert und unkommentiert bleibt. Das verunsichert viele. Man stülpt ohne Vorwarnung eine Käseglocke über uns.“

Erst Freitagmittag traf in Kuchl ein erster Entwurf für die Verordnung ein. Es gibt für Schlüsselarbeitskräfte Ausnahmen: Vor allem für Gesundheitsdienste, auch für Bäcker, Metzger oder Notdienste von Firmen.

 Salzburg-Krone
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