27.09.2020 05:00 |

Frühgeburt

„Emil ist unser kleiner, großer Kämpfer!“

Als werdende Mama hatte Diana Schmidt keine gesundheitlichen Probleme. In der 25. Schwangerschaftswoche bekam sie jedoch spontan Wehen, und Emil wurde geboren. Berührend berichtet sie über die ersten schwierigen Momente und Monate im Spital, ihre Ängste, aber auch über Ärzte und Krankenschwestern mit großem Herz.

Mit 674 Gramm erblickte Emil am 16. 3. 2019 im Klinikum Wels-Grieskirchen das Licht der Welt. „Ich hatte extreme Angst, und mir war klar, er würde zwischen Leben und Tod schweben“, beschreibt seine Mama Diana Schmidt ihre Gefühle kurz vor der Geburt. Gleich danach kam der winzige Bub auf die Neonatologie. „Erst vier Stunden später durfte ich ihn das erste Mal sehen. Im Brutkasten waren überall Kabel und Schläuche. Der Überwachungsmonitor hat ständig gepiepst“, erzählt sie von diesem schlimmen Moment. Aufgefangen wurde die Oberösterreicherin aber vom Pflegepersonal, das sich liebevoll um sie bemühte. Auch den Ärzten spricht sie Lob aus: „Behutsam, aber sehr offen haben sie mir erklärt, wie schlecht es um mein Baby steht.“ Vor allem Emils Lunge funktionierte nicht gut. „Lungenprobleme kommen bei Frühchen am häufigsten vor“, bestätigt OA Dr. Martin Wald, Leiter der Neonatologie, Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde, Klinikum Wels-Grieskirchen. „Emil litt zudem an einer gering ausgeprägten Hirnblutung, die jedoch meist keine Spätfolgen nach sich zieht.“

Kuscheln fördert Bindung zwischen Baby und Eltern
Am 2. Tag nach der Geburt durfte Frau Schmidt endlich mit ihrem Säugling kuscheln, auch wenn sein Körper dabei von Schläuchen übersät war. „Er ist täglich Stunden auf meiner Brust gelegen. In dieser Zeit haben alle Werte gepasst. Wahrscheinlich hat er gespürt, dass er bei seiner Mama ist“, so Diana Schmidt. „Dieses ,Känguruhen’ ist ganz wichtig, um die Bindung zwischen Eltern und Kind zu fördern“, bekräftigt Sarada Wagner, dipl. Kinderkrankenschwester und Stationsleiterin der dortigen Neonatologie. „Wir zeigen den Eltern aber auch, wie sie etwa an der Muskelspannung ihres Babys erkennen, wie es ihm geht. Denn umso kleiner es ist, desto schwieriger sieht man, ob es Stress bzw. Schmerzen hat.“ Leider kam bei Emil dann noch ein Darmriss dazu, er erhielt einen künstlichen Darmausgang.

Mitte Mai fiel außerdem noch einmal seine Lunge zusammen. Aber er hat durchgehalten. „Emil ist ein Kämpfer!“, so die stolze Mama. Anfang Juni musste er nicht mehr beatmet werden, auch die Sonde für die Nahrungsaufnahme war nicht mehr nötig. Er bekam Physiotherapie und lernte zu trinken. Diese lange Zeit im Spital war auch für Emils Bruder Felix und Papa Robert Dörnchen alles andere als leicht: Zuhause waren die zwei plötzlich Monate auf sich gestellt - dazu kam die ständige Sorge um Emil.

Am 3. Juli durften Mama und Sohn dann endlich das Krankenhaus verlassen. „Dafür muss das Frühchen temperaturstabil sein, also kein Wärmebettchen mehr benötigen, sich regelmäßig zu Mahlzeiten melden, trinken und zunehmen. Wichtig ist auch, dass es nicht mehr zu Monitorauffälligkeiten, z. B. durch unregelmäßige Herzfrequenz, kommt“, erklärt Dr. Wald die Voraussetzungen. „Dieser Tag fühlte sich wie Emils 2. Geburtstag an“, erinnert sich die glückliche Oberösterreicherin. Mit im Gepäck: ein Tagebuch, in dem die Krankenschwestern Fortschritte Emils liebevoll beschrieben und auch Fotos eingeklebt hatten. Positive Momente sollen so in Erinnerung bleiben. Danach folgten immer wieder Kontrolluntersuchungen an der Klinik. Im August 2019 konnte der künstliche Darmausgang schließlich rückoperiert werden. Heute weiß man: Emil entwickelt sich normal, er wird ziemlich sicher keine gesundheitlichen Einschränkungen haben.

Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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