24.09.2020 06:00 |

Sperrstunde vorverlegt

Der Kampf der Gastronomie gegen private Partys

Privat kann weit über Sperrstunden und Personengrenzen hinaus gefeiert werden. Das will die Gastronomie nicht hinnehmen. Ihre Lösung: Eingriffe in die Versammlungsfreiheit.

Um 22 Uhr ist Schluss mit lustig: Die Vorverlegung der Sperrstunde in Tirol, Salzburg und Vorarlberg ist für den Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger der „Todesstoß für die Gastronomie“. Sein SPÖ-Gegenüber Georg Dornauer fürchtet, dass „viele auf den Lokalbesuch oder den Urlaub verzichten“.

Unmut auch bei den Regierungsparteien
Selbst aus den Regierungsparteien regt sich inzwischen Unmut: So versteht Seilbahnsprecher Franz Hörl (ÖVP) nicht, warum auch Wirte in Bezirken mit wenigen Fällen früher schließen müssen. Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, fordert einen finanziellen Ausgleich - einen „Schutzschirm, um Betriebsschließungen aus Verzweiflung zu verhindern“.

Ausgelöst wird die Verzweiflung auch von privaten Partys. Beispiele dafür gab es - etwa am Salzburger Rudolfskai - schon öfter. Deshalb schließt der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig eine Vorverlegung bisher aus. Es sei ihm lieber, „wenn sich Menschen in der Gastronomie treffen als bei illegalen Veranstaltungen“.

Franz Allerberger von der AGES sieht Bars und Stehlokale grundsätzlich problematischer als Gasthäuser. Die Sperrstunde um 22 Uhr begrüßt er, denn der Zeitfaktor in Kombination mit Alkohol und Lärmpegel erhöhe das Infektionsrisiko.

Bisher keine Lösung gegen private Partys
Lösung gegen die privaten Partys gibt es bisher keine. Im öffentlichen Raum können sie kontrolliert und aufgelöst werden. „Wir weisen schon lange darauf hin, dass sie außer Kontrolle sind. Geändert hat sich nichts“, sagt Wirtesprecher Mario Pulker. Er trägt die Sperrstunde mit, will aber Maßnahmen abseits der Wirtschaft: „Wenn private Feiern ausufern, muss man in die Versammlungsfreiheit eingreifen“, so Pulker.

Zunächst kommen weitere Wirtschaftsmaßnahmen: In den kommenden Tagen werden die Regeln für den sicheren Wintertourismus fertig. Sie sollen weiteren Reisewarnungen vorbeugen - zuletzt hatte am Mittwoch Belgien Tirol und Vorarlberg auf die Rote Liste gesetzt.

Theresa Spari, Kronen Zeitung

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