29.09.2010 17:40 |

Unzurechnungsfähig

Mutter erstochen: 42-Jähriger in Anstalt eingewiesen

Wegen der Tötung seiner Mutter ist ein 42-jähriger Mann am Mittwoch in Klagenfurt von einem Geschworenengericht in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen worden. Laut Staatsanwältin Sandra Agnoli soll er die 64-Jährige im März dieses Jahres mit zwei Stichen in Hals und Herz umgebracht haben, zum Tatzeitpunkt soll der Mann jedoch unzurechnungsfähig gewesen sein. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Einvernahme des Angeklagten erwies sie als äußerst schwierig. Er konnte sich nicht mehr an alles erinnern und ging nur zum Teil auf die Fragen des Richters ein. Dabei gestand er, seine Mutter, in der gemeinsamen Wohnung in Rangersdorf (Bezirk Spittal), nach einem heftigen Streit erstochen zu haben. Danach sei er fix und fertig gewesen, sagte er. Er war unmittelbar nach der Tat festgenommen worden und hatte seine Tat gestanden.

Wahnhafte Wahrnehmungsstörung durch Zyste
Gutachter Franz Schautzer attestierte dem Betroffenen eine "schwere psychische Störung", deren Ursachen eine Frontalhirnzyste, eine wahnhafte Wahrnehmungsstörung und eine "mäßige Intelligenzminderung" seien. Im Frontalhirn würden das soziale Verhalten sowie die Abläufe und Kontrolle der Impulse gesteuert, erläuterte der Gutachter. Der Angeklagte sei aufgrund seiner Störung nicht in der Lage gewesen, mit Affektzuständen adäquat umzugehen.

"Er war schon immer ein eigener Vogel"
Zwischen dem 42-Jährigen und seiner Mutter soll es immer wieder zu Streitigkeiten gekommen sein, das erklärten auch seine drei Brüder, die aus Angst vor Zornausbrüchen des Betroffenen nur unter dessen Abwesenheit aussagen wollten. Wutanfälle habe er schon als Kind gehabt, er sei wegen Kleinigkeiten in die Luft gegangen, sagten sie aus. "Er war schon immer ein eigener Vogel", meinte einer der Brüder. Schwierig sei er gewesen, und das habe sich im Laufe der Jahre verstärkt.

Mutter mit Krankheit des Sohnes überfordert
Da er eine angeborene "intellektuelle Beeinträchtigung" - so der Gutachter - hatte, ging er in die Sonderschule und absolvierte keine Berufsausbildung. Nach einem Unfall im Jahr 1995 verschlechterte sich seine Situation. Seit zwei Jahren lebte er bei der Mutter, die laut Sachverständigem mit der Krankheit des Sohnes völlig überfordert gewesen war. Mehrere Einweisungen ins Krankenhaus aufgrund seines aggressiven Verhaltens brachten nichts.

Die Situation eskalierte am 30. März. Die Mutter hatte den psychischen Not- und Krisendienst gerufen, der dem 42-Jährigen einen Aufenthalt im Krankenhaus nahelegte. Der Mann wollte jedoch nicht mit. Am Abend kam es zu einem weiteren Streit, der in der Bluttat gipfelte.

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