"Sagen aus Wien"

Aufreger-Comic der FP enthält offenbar auch Nazi-Begriff

Österreich
28.09.2010 18:08
Der umstrittene Wahl-Comic der FPÖ enthält neben dem Steinschleuder-Aufreger offenbar auch einen Begriff aus der Nazi-Zeit. Konkret geht es um das Wort "Odal", das in der Broschüre vorkommt. Diesen Namen trug einst ein NS-Blatt, das sich selbst als "Monatsschrift für Blut und Boden" bezeichnete. Die FPÖ wies den Zusammenhang als Fehlinterpretation zurück.

In dem Comic wird Rot-Grün als stinkendes Wesen dargestellt, ärger, wie es heißt, als alle "Giftler" in einer Antifa-Kommune. In dem Druckwerk taucht neben der rot-grünen Kreatur - scheinbar zufällig - eine Mundwasserflasche auf, nachempfunden der bekannten Marke "Odol". Doch nicht der Markenname, sondern eben "Odal" prangt in großen Lettern auf der Flasche.

Laut "profil online" hieß genau so ein NS-Blatt ("Odal - Monatsschrift für Blut und Boden"), das ab 1939 erschien. Es wurde von Walther Darre herausgegeben, der laut dem Bericht als Chef des SS-Rasse- und Siedlungshauptamtes, NS-Reichsbauernführer und großdeutscher Ernährungsminister Hitlers Expansionspläne ausführte. Darre forderte demnach eine Überwachung der menschlichen Fortpflanzung durch "Zuchtwarte".

Odal-Rune war Erkennungszeichen der Hitlerjugend
Unter dem Namen Odal-Rune ist außerdem die 24. der gemeingermanischen Runen bekannt. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg vom Rasse- und Siedlungshauptamt, von der Hitlerjugend sowie der 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ als Kennzeichen verwendet. Prinz Eugen tritt in dem FPÖ-Comic ebenfalls auf - als Symbolfigur im Kampf gegen die Türkenbelagerung Wiens. In heutigen Zeiten ist die Odal-Rune ein verbreitetes Symbol in der Neonazi-Szene.

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky betonte gegenüber "profil online", die Verwendung von "Odal" in der Wahlkampfbroschüre von dessen NS-Bedeutung abzuleiten, "ist sicher eine Fehlinterpretation". Der umstrittene FP-Comic, in dem "Sagen aus Wien" dargestellt werden, hat bereits wiederholt für massive Kritik gesorgt. Inzwischen wurden von den Grünen und der Islamischen Glaubensgemeinschaft Anzeigen eingebracht. Sie vermuten den Straftatbestand der Verhetzung (siehe Infobox).

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