30.08.2020 05:00 |

Fettleber-Hepatits

„Ich habe ein neues Leben“

Eine nicht alkoholische Fettleber tritt häufiger auf als man denkt. Unbehandelt kann diese Entzündungen (Hepatitis) auslösen. Bei Elisabeth Messner führte eine nicht therapierte Fettleber-Hepatitis schließlich zu Leberzirrhose und Transplantation. 

Dass eine Fettleber nicht nur durch Alkohol, sondern viel häufiger z. B. auch durch falsche Ernährung verursacht wird, ist vielen Menschen nicht bewusst. Die Erkrankung bleibt lange unbemerkt, da sie keine Beschwerden verursacht. Treten aufgrund zunehmender Fettansammlungen chronische Entzündungen in der Leber auf, und werden dort immer mehr Zellen zerstört, führt dies allmählich zur Leberzirrhose. Auch Elisabeth Messner hat lange nichts von ihrer Erkrankung gemerkt. Erst im sehr fortgeschrittenen Stadium der Zirrhose traten Schwindel, Sehstörungen, Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen auf. „Im August 2014 bin ich beim Mittagessen plötzlich mit dem Gesicht in den Teller gefallen und konnte nicht mehr aufstehen. Wir sind sofort ins Spital gefahren, aber die Ärzte haben längere Zeit nicht herausgefunden, was ich habe“, erzählt die gebürtige Salzburgerin, die seit 35 Jahren in Wien lebt.

Im Jänner darauf wurde eine Leberpunktion gemacht und drei Wochen später erhielt Frau Messner das Ergebnis: Leberzirrhose im letzten Stadium. Dass diese schwere Erkrankung bzw. eine damit in Verbindung stehende Fettleber noch immer - selbst von Medizinern - vorrangig mit Alkoholmissbrauch in Verbindung gebracht und der Patient dadurch mit Vorurteilen bedacht wird, bekam Erika Messner zu spüren. „,Saufen’S weniger‘, meinte der Arzt. Dabei trinke ich nie Alkohol“, so die 67-Jährige.

Die Beschwerden verschlimmerten sich zunehmend. Von einer Bekannten wurde Frau Messner schließlich Prim. Prof. Priv.-Doz. Dr. Arnulf Ferlitsch, Leiter der Abteilung für Innere Medizin, Gastroenterologie und Nephrologie, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien (damals noch am AKH tätig) empfohlen. Nun erfuhr Frau Messner, wie es zur Zerstörung ihrer Leber kam: Falsche Ernährung führte nicht nur zu Übergewicht, sondern auch zur Bildung einer Fettleber. Als sie sich einer chirurgischen Maßnahme zur Behandlung krankhaften Übergewichts (bariatrische Operation) unterzog, wurde durch das schnelle Abnehmen viel Fett freigesetzt, wie Prim. Ferlitsch erklärt. „Die Leber kann mit diesem Kalorienüberschuss nicht umgehen, es kommt zur Entzündung, einer sogenannten Fettleber-Hepatitis“, so der Experte.

Frau Messner erhielt Medikamente, um die krankhaft erhöhte Ammoniak-Konzentration (Eiweißabbau-Produkt) im Blut zu senken und die Entgiftungsfunktion der Leber zu steigern. Die Zerstörung des Organs war aber bereits zu weit fortgeschritten, sodass nur noch eine Transplantation helfen konnte. 2,5 Jahre musste die leidgeplagte Frau darauf warten. „Mir ist es immer schlechter gegangen. Da wird man ungerecht, verzweifelt und denkt: ,Warum ich, wo ich doch nicht trinke?‘. Ich wollte schon aufgeben“, erinnert sich Elisabeth Messner an diese Zeit. Im Dezember 2019 war es dann soweit, und sie bekam eine Spenderleber. „Ich musste mich wieder ,aufpäppeln‘, hatte ja kaum mehr Nahrung zu mir nehmen können. Jetzt bin ich wieder in der Lage, normal zu essen. Es ist ein neues Leben“, erzählt die 67-Jährige und blickt wieder optimistisch in die Zukunft.

Fettleber schon bei jedem Zweiten
Virusbedingte Hepatitis-Formen wie A, B oder C sind bekannt. Eine Fettleber-Hepatitis aber kaum. Prim. Dr. Arnulf Ferlitsch, Leiter der Abteilung Innere Medizin, Gastroenterologie und Nephrologie am KH der Barmherzigen Brüder in Wien informiert. Eine Fettleber-Hepatitis tritt öfters auf als Hepatitis C und liegt weltweit an 2. Stelle für eine Lebertransplantation. Mehr als die Hälfte der Österreicher hat eine Fettleber. Nicht immer ist übermäßiger Alkoholkonsum daran schuld. Eine nichtalkoholische Fettleber betrifft sogar junge, schlanke Menschen, die sich falsch ernähren und viel naschen. Fett in der Nahrung ist weniger problematisch als Zucker. Die Leber kann mit den vielen Kalorien nicht umgehen, es kommt zu Entzündungen.

Wie erfolgt die Diagnose?
Die ersten Anzeichen sind meist unspezifisch: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Tag/Nacht-Umkehr. Erst im fortgeschrittenen Stadium der Leberschädigung zeigen sich Symptome wie sternförmige Neubildung der Blutgefäße an der Haut, Verwirrtheit, Krampfadern in der Speiseröhre. Früherkennung ist daher wichtig! Durch Bluttest lassen sich erhöhte Leberwerte (ASAT, ALAT) feststellen. Diese Tests sollten in die Vorsorgeuntersuchung aufgenommen werden. Anhand einer Leberdichtemessung mittels Fibroscan - das ist eine ultraschallähnliche Untersuchung - ist es ohne Biopsie möglich, den Fettgehalt der Leber zu prüfen und Verhärtungen des Gewebes zu erkennen. Wenn die Kosten dafür von der Krankenkasse übernommen und die Untersuchungen flächendeckend eingesetzt würden, könnte man bis zu 70% der Lebertransplantationen verhindern. Bei rechtzeitiger Behandlung bildet sich eine Fettleber bzw. Fettleber-Hepatitis meist wieder zurück.

Wie sieht die Therapie aus?
Bewegung: mind. 2x/Woche mit Pulsbeschleunigung. z. B. Schwimmen, Radfahren, Walken, schnelles Gehen. Ernährung: Wenig Kohlehydrate essen. Gemüse statt Obst. Und natürlich keinen Alkohol trinken. Eine eiweißbasierte Diät über zwei Wochen beruhigt die Entzündungen. Kaffee trinken: Laut Studien vermindern die enthaltenen Bitterstoffe das Risiko, dass aus einer Fettleber eine Zirrhose oder Krebs wird. Möglich ist auch koffeinfreier Kaffee.

Regina Modl, Kronen Zeitung

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