07.08.2020 12:30 |

Bilanz zu Gewaltschutz

Tirol ist gut aufgestellt, dennoch Luft nach oben

In Tirol gibt es 14 Einrichtungen für Frauen und Mädchen, vier Angebote für Kinder und zwei für Täterarbeit. Wie gut all diese Einrichtungen in der Prävention und im Umgang mit Opfern von Gewalt funktionieren, wurde evaluiert – das Ergebnis am Donnerstag präsentiert. Fazit: Der Ist-Zustand ist gut, doch es gibt Luft nach oben.

„Wenn wir von Gewalt sprechen, können wir nie von Erfolg sprechen“, sagte Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne). Denn Gewalt sollte verhindert werden, bevor sie passiert. Dennoch sei der Gewaltschutz in Tirol gut etabliert.

Aber der Reihe nach: 2017 gab es eine Landtagsentschließung zum Thema: Es sollte untersucht werden, wie gut mit häuslicher Gewalt umgegangen wird, um der Politik Anstöße liefern zu können. Birgit Haller, Autorin des Gewaltschutzplans, verdeutlicht: „Am Wichtigsten ist es, Frauen zu ermutigen, sich zu wehren, denn sie suchen die Schuld häufig bei sich.“

Rund 400 Wegweisungen jährlich
Das ist fatal, denn: Schuld ist immer jener, der Gewalt ausübt. In 85 Prozent der Fälle sind das Männer, die ihre Partnerin oder Ex-Partnerin gefährden. 20% aller angezeigten Körperverletzungen im Jahr 2018 entstanden innerhalb familiärer Beziehungen. Die Polizei zu rufen, ist also der erste Schritt in Richtung Befreiung. Jährlich gibt rund 400 Wegweisungen – ein Wert, der seit 2014 stabil ist.

Neues Frauenhaus fürs Oberland
Danach greifen die verschiedenen Einrichtungen. Alle 14 davon arbeiten präventiv, zwölf auch in der zweiten Stufe, also etwa in rechtlicher oder psychosozialer Beratung, und neun bieten spezielle Hilfe an, etwa das Frauenhaus.

Ein Punkt, an dem es anzusetzen gilt - was laut Fischer bereits passiert: „In Wörgl wurde eine Außenstelle der Frauenberatung Evita eröffnet, im Oberland sind wir auf der Suche nach einem Standort für ein Frauenhaus.“ 250.000 € jährlich wurden dafür freigegeben.

Ausbau der Täterarbeit
Noch größer aber sei die Lücke in der Täterarbeit. Hier gibt es in Tirol den Verein „Neustart“, der nur von der Justiz zugewiesenes Klientel betreut, und den Verein „Mannsbilder“, der Männer betreut, die freiwillig an ihrer Gewaltbereitschaft arbeiten wollen.

Klienten mussten aber zuletzt vertröstet werden, da die Kapazitäten fehlten. Das soll sich mit einer Außenstelle im Außerfern sowie einem Ausbau in Innsbruck ändern - und das hoffentlich schnell, denn jede fünfte Frau erlebt in ihrem Leben Gewalt. „Es betrifft uns alle. Wir müssen hinschauen und eingreifen“, betont Fischer.

Anna Haselwanter
Anna Haselwanter
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