29.08.2020 08:15 |

Entschleunigungsreise

Am Juliana Trail im „Wilden Westen“ Sloweniens

Der Juliana Trail führt durch den Wilden Westen Sloweniens. Eine rund 270 Kilometer lange Entschleunigungsreise rund um ein alpines Nationalsymbol, den mächtigen Triglav.

Jede Wanderung beginnt mit dem ersten Schritt. Wir sind in Kranjska Gora. Umgeben von einer wunderbaren Bergwelt, die sich im Jasna-See spiegelt, ist es der alpine Urlaubs- und Skiweltcup-Ort Sloweniens. Kranjska Gora ist aber auch das weit offene Tor in den traumhaft schönen Triglav Nationalpark und die herrlichen Julischen Alpen.

In Bergsteigerkreisen ist dieses schroffe Gebirge mit seinen steil aufragenden Kalkzacken längst ein Sehnsuchtsort vieler Alpinisten. Dort ist mit der legendären bis zu eintausend Meter hohen Triglav-Nordwand auch eine der mächtigsten Felswände der Ostalpen zu finden.

„Doch wir werden keine hohen Berggipfel erobern“, tönt unser erfahrener Guide Martin Šolar im Schatten der Juliergipfel: „Der Juliana Trail ist sanft. Er führt vorbei an kristallklaren Flüssen, laut tosenden Wasserfällen und bunten Bergwiesen und lässt Wanderer unterwegs die vielfältige Kultur und Geschichte Sloweniens kennenlernen.“ Die Wanderung rund um die Julischen Alpen, die auch das wilde Herz Sloweniens genannt werden, ist aufgeteilt auf 16 Etappen mit 17 bis 20 Kilometern und fünf bis sieben Gehstunden.

Und so verwundert es anfangs, dass die Wanderung nicht gleich in die Julier, sondern entlang der Sava zuerst auf die Hänge der gegenüberliegenden Karawanken führt. „Von den Blumenwiesen hier hat man die schönsten Ausblicke auf den 2864 Meter hohen Triglav“, so Šolar. Denn der höchste Berg Sloweniens wird unser Begleiter sein.

Apropos Blumenwiesen: Wussten Sie, dass die Ursprünge der modernen Imkerei in Slowenien, besser gesagt im heutigen Oberkrain zu finden sind und die hier seit Generationen gezüchtete Carnica-Biene ein weltweit begehrter Exportschlager ist? So führt der Juliana Trail etwa durch das Dorf Breznica, dem Geburtsort von Anton Janša (1734–1773), dem Hofimkermeister von Kaiserin Maria Theresia und Erfinder des Krainer Bauernstock. Noch heute kann man hier diese kunstvoll von Hand und bunt bemalten Bienenstöcke bewundern.

Die Weitwanderung führt aber auch vorbei am Geburtshaus des slowenischen Nationaldichters France Prešeren (1800–1849) und lädt zum kulinarischen Zwischenstopp im Gasthof Avsenik, wo übrigens Slavko Avsenik (1929–2015) mit seinen Original Oberkrainern den „Oberkrainer Sound“ erfand, der heute noch von einer Vielzahl an Volksmusikgruppen gespielt wird.

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Denn die Etappen sind so angelegt, dass man sie nicht nur in jede beliebige Richtung gehen kann, sondern auch, dass man am Anfang oder Ende jeder Tagestour Übernachtungsmöglichkeiten findet und sich stärken kann. Etwa mit einem der kulinarischen Wahrzeichen Sloweniens, der Bleder Cremeschnitte vor der einzigartigen Kulisse des tiefblauen Bleder Sees samt Insel mit Kirche darauf.

Von hier führt der Weitwanderweg hinauf auf die 1300 Meter hoch gelegene Pokljuka-Hochebene mit ihren dichten Fichtenwäldern und Almen, wo frischer Käse, Butter und Milch produziert werden. Weiter nach Bohinj, wo auf der südöstlichen Seite des Triglav-Nationalparks mit dem Bohinjer See der größte natürliche See Sloweniens zu finden ist. Zurück nach Kranjska Gora geht es durch das Soča-Tal. Über die Jahrtausende hat sich der kristallklare und türkisfarbene Fluss seinen Weg durch das weiße Kalkgestein gesucht und eine der schönsten Landschaften geformt. Aktuell ist man in Slowenien dabei, den Weitwanderweg um vier zusätzliche Etappen zu ergänzen, welche Wanderern mit der Weinregion Gorišca Brda auch noch die mediterrane Seite Sloweniens zeigen und erlebbar machen sollen.

Die Wanderung entlang des Juliana Trails ist etwas für all jene, die nach Entschleunigung suchen, dem Alltag entkommen und sich von Neuem faszinieren lassen wollen. Und wenn es einmal nicht mehr geht, dann können die Etappen mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch abgekürzt werden.  Das kleine Slowenien versteht es jedenfalls, Wanderer zu begeistern, und arbeitet übrigens bereits am Julius Trail, dem rauen, alpinen Pendant zum sanften Juliana Trail. Wir freuen uns darauf.

Hannes Wallner, Kronen Zeitung

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