14.09.2010 09:44 |

Öl doch nicht "weg"?

Dicke Ölbatzen am Meeresboden im Golf entdeckt

Die wundersamen Öl-Fresser-Mikroben dürften bei der Bohrinsel-Katastrophe im Golf von Mexiko wohl doch nicht den Appetit gehabt haben, der ihnen von verschiedenen Forscher nachgesagt wird. Die US-Meeresbiologin Samantha Joye hat bei Nachforschungen am Meeresboden jetzt nämlich bis zu fünf Zentimeter dicke Öl-verseuchte Schlammschichten entdeckt. Darin hätten sich tote Krabben und Fische befunden. Ob das Öl tatsächlich vom "Deepwater Horizon"-Unfall stammt, muss noch mittels einer chemischen Analyse restlos geklärt werden.

Joye, die an der Universität von Georgia forscht, ist sich aber ziemlich sicher, dass die öligen Schlammbatzen am Meeresboden vom Bohrinsel-Unfall stammen. Die Aussage der US-Regierung und der von ihr beauftragten Forscher, wonach die Mehrheit des Öls verschwunden oder von Bakterien zersetzt worden sei, sei mehr als voreilig getroffen worden, kritisiert die Meeresbiologin.

"Ich habe damit gerechnet, Öl zu finden, aber nicht in diesen Mengen", so die Forscherin. Zehn ihrer 14 genommenen Proben seien mit Öl verseucht gewesen. "Ich habe nicht erwartet, da unten eine fünf Zentimeter dicke Schicht zu finden. Einiges von dem Öl war schon sehr eingedickt und zäh."

"Es ist wie ein Blizzard"
In 1.500 Metern Tiefe ist das Meer sehr kalt und dunkel. Einige Meeresbiologen hatten bereits während der Ölpest gewarnt, dass Öl auf den Meeresboden absinken würde und dort eine enorme Bedrohung für die Bewohner der Tiefsee, wie Laternen-Fische, Krebse sowie diverse Mikroorganismen, werden könnte. "Es ist wie ein Blizzard, wenn der Schnee kommt und alles zudeckt", so Joye.

Anlass zur Sorge gebe, dass sie sogar 80 Meilen (etwa 128 Kilometer) vom Ausgangspunkt der Ölpest entfernt verseuchte Proben genommen hatte. Allerdings, so Joye, komme es durchaus vor, dass Öl auf natürliche Weise in den Golf von Mexiko gelange. Daher sei noch nicht restlos geklärt, ob es sich tatsächlich um das Öl handelt, welches nach der Bohrinsel-Explosion von April bis Juli ins Meer geflossen ist. Chemische Analysen sollen nun Klarheit bringen.

Öl sank durch chemische Reaktionen
Den Forschern zufolge sind die am Meeresboden gefundenen Ölbatzen durch chemische Reaktionen erklärbar. Während das aus dem lecken Bohrloch strömende Rohöl an der Oberfläche trieb, kam es zu diesen Reaktionen, so der Meeresbiologe Ian MacDonald. "Um zu sinken, muss das Öl sich mit Stoffen verbinden, die schwerer sind als Wasser. Das können Sand, Schlamm, aber auch andere Partikel sein. Besonders dort, wo Flüsse in den Golf münden, wird dieser Vorgang begünstigt." Bereits im August kritisierte der Biologe von der Universität Florida die "Entwarnungen" der US-Regierung. "Das Öl ist nicht verschwunden. Es ist gesunken!"

Allerdings teilten damals nicht alle Wissenschaftler seine Meinung. "Die Medien und die Regierung haben sich damals darauf gestürzt, als das Öl von der Oberfläche verschwunden war. Aber das Problem liegt im wahrsten Sinne des Wortes in der Tiefe", so MacDonald.

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