01.08.2020 06:00 |

Ein „Krone“-Rückblick

Festspiele von gestern bis heute

100 Jahre Salzburger Festspiele: Was 1920 als Friedensbotschaft nach dem Ersten Weltkrieg begann, mauserte sich zum „Global Player“ der Kulturindustrie. Ein „Krone“-Rückblick.

Die Gründerväter Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt und Richard Strauss hatten 1920 mit einem Festival eine Vision: Eine neue Identität für Österreich schaffen, das nach dem Ersten Weltkrieg vom Vielvölkerimperium zum alpinen Kleinstaat geschrumpft war. Eine Identität als Kulturnation. Die Stadt Salzburg sollte die Bühne sein, ein bisschen als Gegenpol zu Bayreuth, wo alles dem Genie Richard Wagner untergeordnet wurde. Preußisch.

Salzburg sollte anders werden, offener, nur das Beste von allem. Das „Spiel vom Sterben des alten Mannes“ leitete eine große Festspiel-Historie ein, der „Jedermann“ entwickelte sich zum Blockbuster über 100 Jahre, über ganze 715 Aufführungen lang. Nur zwischen 1922 und 1926 sowie 1937 und 1945, als die Nazis Hofmannsthals Werke verboten hatten, wurde er nicht gespielt. Bis 2002 nur streng nach den Vorgaben Reinhardts inszeniert, mit altertümlichen Kostümen und deklamatorischer Sprache. Die heurige Version von Regisseur Michael Sturminger ist da wohl noch eine der radikalsten, fast modern.

Mit dem „Jedermann“, seiner Buhlschaft und dem Mammon wurden die Salzburger Festspiele im Laufe der Jahrzehnte zu einem Big-Player der Kulturindustrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg formte Übervater Herbert von Karajan mit unvergesslichen Mozart-, Strauss- und Verdi-Opern eine illustres Image, holte Schöne, Reiche und Berühmte vor den Vorhang.

Das sollte sich unter Gerard Mortier Anfang der 1990er-Jahre ändern: Er verjüngte das Publikum, stellte Dauerbrennern auch moderne, ausgefallene Stücke gegenüber. Präsidentin Helga Rabl-Stadler (seit 1995), die Intendanten Peter Ruzicka, Jürgen Flimm und Alexander Pereira setzten Glanz und Gloria wieder in die Hauptrolle. Markus Hinterhäuser versucht seit 2016 den Mittelweg.

Die heurigen Festspiele erinnern an die prekäre Anfangszeit. „Covid fan tutte“ wird hinter dem Vorhang geätzt – und trotzdem gefeiert. The Show must go on.

Max Grill
Max Grill
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