24.07.2020 16:00 |

Szenarien bis 2040

Uni Innsbruck zeigt Weg aus der „Kunststoff-Flut“

Behalten Politik, Industrie und Gesellschaft das derzeitige Tempo bei, könnten 2040 etwa 29 Millionen Tonnen Plastik in die Meere gelangen - diese düstere Zukunft zeichnet der Bericht „Stoppt die Plastikflut“, bei dem auch ein Experte der Uni Innsbruck federführend war. Doch es gäbe auch Hoffnung für die Ozeane.

11 Millionen Tonnen Plastik wurden allein im Jahr 2016 in die Meere getragen – wie kann diese extreme Verschmutzung der Ozeane aufgehalten werden? Mit drastischen Maßnahmen ist auch eine drastische Verbesserung möglich, ist Martin Stuchtey von der Universität Innsbruck überzeugt. Gemeinsam mit 17 internationalen Experten zeigt der Forscher Lösungsansätze und Maßnahmen in dem Bericht „Stoppt die Plastikwelle“ auf, welcher im Fachmagazin „Science“ veröffentlicht wurde.

Von 11 auf 29 Millionen Tonnen
Darin werden unter anderem sechs Szenarios beschrieben, wie es im Jahr 2040 um die Verschmutzung der Meere stehen könnte – in Anbetracht gewisser Veränderungen. Im schlimmsten Fall, oder auch „Business as usual“, ändert sich nichts. „Dieses Szenario zeigt in 20 Jahren einen Anstieg des Plastikmülls im Meer von 11 auf 29 Millionen Tonnen, sofern es bei Kunststoff keinerlei Eingriffe in die diesbezügliche Politik, Wirtschaft, Infrastruktur oder Materialien gibt“, schildert Stuchtey eine düstere Zukunft.

Es wird in diesem Modell aber auch davon ausgegangen, dass sich das Verhalten und die Normen der Verbraucher nicht ändern.

70 Milliarden US-Dollar Einsparung bis 2040
Um einen „Systemwandel“, wie das beste Szenario genannt wird, zu erreichen, müssen mehrere Maßnahmen getroffen werden. Dazu gehören weniger Kunststoffverbrauch und Produktion, mehr Plastik-Alternativen, „recyclingfreundliche“ Produktgestaltung, mehr Abfallsammlung in Entwicklungsländern, grundsätzlich mehr Recycling und die Verringerung der Exporte von Kunststoffabfall.

Werden all diese Kriterien erfüllt, könnte bis 2040 etwa 80 Prozent weniger Plastik jährlich in die Ozeane fließen. Doch das ist nicht der einzige Vorteil – zudem würden Regierungen um die 70 Milliarden US-Dollar einsparen und 700.000 Arbeitsplätze neu geschaffen. Kein Wunschdenken, wie Stuchtey betont: „Diese Maßnahmen können mithilfe der heute schon verfügbaren Technologien und Lösungen umgesetzt werden.“ Es wären dann „nur mehr“ fünf Millionen Tonnen Plastik, die pro Jahr doch ihren Weg ins Meer finden.

Echter „Stopp der Flut“ noch nicht möglich
Doch warum nicht gleich auf einen vollständigen Stopp der Plastikflut hinarbeiten? Dazu hat der Experte traurige Nachrichten: „Die vollständige Beseitigung der Meeresverschmutzung durch Plastik würde eine drastische Steigerung von Innovation und Investitionen, bedeutende technologische Fortschritte, neue Geschäftsmodelle und einen stärkeren Fokus auf Forschung und Entwicklung erfordern.“ Trotzdem bietet der Bericht Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt eine Informationsquelle darüber, wie man die Meere noch retten kann.

Mirjana Mihajlovic
Mirjana Mihajlovic
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