21.07.2020 10:24 |

Alternativen im Fokus

20.438 Tiere hatten bei Versuchen starke Schmerzen

Im vergangenen Jahr wurden in Österreich 246.315 Tierversuche durchgeführt, das sind um 3,6 Prozent mehr als im Jahr 2018. Die Regierung hat nun eine Initiative zum Ausbau der Ersatzmethoden beschlossen. Die Förderungen in der Ersatzmethodenforschung sollen deshalb auf 600.000 Euro verdoppelt werden.

Laut dem Tierversuchsgesetz (TVG) werden Tierversuche in vier Schweregrade eingeteilt. Dabei fallen unter die Kategorie „gering“ „kurzfristige geringe Schmerzen, Leiden oder Ängste“. Zwei Drittel der Versuche fielen dabei im Jahr 2019 unter diese Kategorie (148.259 Versuche). Unter dem Schweregrad eins versteht man sogenannte Terminalversuche. Diese werden nur unter Vollnarkose durchgeführt, das Tier erwacht jedoch nicht mehr. Insgesamt gab es letztes Jahr 6147 dieser Versuche.

20.438 Tiere mussten starke Schmerzen erleiden
Unter die Kategorie „kurzzeitig mittelstarke Schmerzen“ versteht man chirurgische Eingriffe, welchen den Tieren mittelschwere postoperative Schmerzen verursachen. 2019 mussten diese Eingriffe 71.471 Tiere erdulden. Als „schwer“ werden Tierversuche eingestuft, bei denen „starke Schmerzen, Leiden oder Ängste“ verursacht werden. Dies passiert zum Beispiel bei der Verpflanzung von artfremder Gewebe (Xenotransplantationen) oder bei der vollständigen Isolierung geselliger Tiere. 20.438 Tiere mussten dies im Vorjahr über sich ergehen lassen.

Mäuse und Fische sind das Versuchsobjekt Nummer eins
Die meisten Tierversuche werden für den Bereich der Infektionskrankheiten des Menschen verwendet (etwa 50.000), gefolgt von den Bereichen der Onkologie (etwa 30.000) und der des Immunsystems (etwa 25.000). Die häufigsten Versuche werden dabei, mit großem Abstand, mit Mäusen (etwa 205.000) gefolgt von Zebrafischen (etwa 9000) durchgeführt. 

3R-Prinzip vorgeschrieben
Im Zuge der kürzlich vom National- und Bundesrat beschlossenen Novelle zum Tierschutz hat die Regierung eine Initiative zum Ausbau von Ersatzmethoden von Tierversuchen beschlossen. Das sogenannte 3R-Prinzip steht dabei im Vordergrund. Demnach sollen Alternativen zu Tierversuchen gefunden werden (“Replace“), Tierversuche vermindert („Reduce“) und Bedingungen wie Zucht, Unterbringung und Pflege der Tiere verbessert werden („Refine“).

Förderungen werden verdoppelt
Um dieses Prinzip weiter zu stärken werden die derzeitig bestehenden Förderungen ab 2021 jährlich auf 600.000 Euro verdoppelt. Dies Mitteln werden vom Wissenschaftsfonds FWF vergeben. Zudem wird die Förderung des „3R-Zentrums“ auf 100.000 Euro erhöht. Das ist eine gemeinsame Initiative der heimischen Medizin-Unis. Ziel dieses Vereines ist u.a. die Information der Forscher über mögliche Ersatz- und „Refine“-Methoden, die Weiterbildung sowie der Austausch auf europäischer Ebene.

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