07.07.2020 12:00 |

Debatte nach Vorstoß

Heikles Suchen nach einer Marko Feingold-Straße

Der Vorschlag von Bürgerliste und Neos sorgt im Schloss Mirabell für ordentlich Gesprächsstoff: Zwar wollen alle Parteien dem 2019 verstorbenen Holocaust-Überlebenden und Aktivisten Marko Feingold eine Straße widmen. Die Umbenennung der Stelzhamerstraße wollen aber nicht alle pauschal beantragen.

Der Grund: Vor allem die unklare Faktenlage zu dem oberösterreichischen Heimatdichter. Die sei nämlich dünn, meint die SPÖ: „Wir müssen wissenschaftlich klären, ob das Werk Stelzhamers als antisemitisch belastetet gilt“, sagt Vizebürgermeister und Kulturressortchef Bernhard Auinger.

Nachsatz: „Es würde sich natürlich anbieten, einen belasteten Namen gegen den von Marko Feingold auszutauschen.“

Ähnlich sieht das die Stadt-ÖVP, die nicht für den Antrag in seiner derzeitigen Form stimmen will – eben wegen der fehlenden Fakten.

Anderer Meinung ist die FPÖ. Sie will den Namen des Oberösterreichers im Andräviertel nahe der Synagoge nicht missen. Franz „Stelzhamer ist ein Mundartdichter gewesen, der bekannt ist und an den man erinnern sollte“, sagt Klubobmann Andreas Reindl.

Die Kritik lässt die Bürgerliste nicht gelten. „Die antisemitischen Tendenzen von Stelzhamer sind von Germanisten klar erwiesen. Darüber brauchen wir nicht diskutieren“, sagt Kultursprecher Markus Grüner-Musil. Der Umänderungswunsch von Hanna Feingold, der Witwe und derzeitigen Präsidentin der Kultusgemeinde, soll im Antrag stehen bleiben. „Das Amt prüft und gibt dann dazu sowieso Empfehlungen ab.“

Runder Tisch für einstimmigen Antrag
Ob der Antrag in seiner Ursprungsform am Mittwoch im Gemeinderat gestellt wird, wird sich zeigen: Vizebürgermeister Auinger lädt heute, Dienstag, die Kultursprecher zu einem runden Tisch. Ziel: Einen Antrag erarbeiten, der einstimmig beschlossen werden kann.

Verena Seebacher
Verena Seebacher
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