05.07.2020 19:01 |

Portrait

Der singende Alt-Bürgermeister

Hugo Rogginer, der Tausendsassa: Mit den „Trocaderos“ sorgte er für volle Tanzflächen, als ORF-Moderator lieferte er „Musik nach Wunsch“ und als Politiker führte er seine Heimatgemeinde Hard ins neue Jahrtausend.

Auch jetzt, wenige Tage nach seinem 73. Geburtstag, merkt man Hugo jene Power, die er sein Leben lang an den Tag legte, noch an: „Ich fahre mit dem Rad zur Fotografin, Hohenems liegt doch quasi ums Eck“, meinte er beim Gespräch in Bregenz. Und zu erzählen hat der gleichermaßen am Tanz- wie am Politparkett erfolgreiche Harder ebenfalls einiges: „Als Jugendlicher wollte ich erst Koch werden, entschied mich dann aber doch für den Lehrerberuf“, erinnert sich der mit vier Lehramtsprüfungen ausgestattete Pädagoge, der erst in Hörbranz und später in Hard unterrichtete und dort auch als Direktor fungierte. Einen noch höheren Bekanntheitsgrad erreichte der Multi-Instrumentalist, der bereits als Zwölfjähriger bei der Harder Bürgermusik die Klarinette spielte, allerdings als Musiker. Mit den „Trocaderos“, einst die bekannteste Tanz-Formation des Landes, füllte er Festsäle diesseits und jenseits des Rheins. Damals entwickelte er auch seine Entertainment-Qualitäten, was ihm später als Moderator der beliebten Radio-Sendung „Musik nach Wunsch“ zugute kamen.

Sprung ins kalte Wasser

Seinen erstaunlichsten Karrieresprung absolvierte er allerdings als Politiker in Hard. „Ich war zuvor als Gemeindevertreter vor allem im Kulturausschuss tätig“, so der dreifache Vater und vierfache Großvater, der schließlich nach mehreren Hearings in die großen Fußstapfen des langjährigen Dorfkaisers Gerhard Köhlmeier trat. Und im wahrsten Sinne des Wortes gleich ins kalte Wasser geworfen wurde: „Das Hochwasser 1999 war eine echte Bewährungsprobe, die ich nicht zuletzt dank meiner Bundesheer-Erfahrung inklusive Jagdkommando-Kurs meistern konnte.“ Die Harder dankten es ihm mit zwei Amtsperioden (bis zu seiner Pensionierung) und klaren Mehrheiten.

Der Hochwasserschutz blieb ein zentrales Thema seiner Amtszeit, zudem setzte er zahlreiche Infrastrukturprojekte im Bildungs- und Sozialbereich um. Es sind aber vor allem Hugos Geselligkeit und Umtriebigkeit, die seine anhaltende Beliebtheit erklären. Gleich ob als „Hörbranzer Raubrittern“ oder „Hardar Mufaengar“ im Fasching, als Skitrainer inklusive Buchveröffentlichung („Auf in den Kinderskikurs“) im Winter, ob als Philantrop (Gomel- und Polen-Hilfe, Benefizkonzerte und Spendeneinnahmen von über 70.000 Euro) oder aktuell als Ehrenamtler (Senioren): Hugo war und ist stets engagiert. Kein Wunder, dass er 2016 mit dem Verdienstzeichen des Landes ausgezeichnet wurde. „Persönlicher Einsatz und Musik sind Sprachen, die jeder versteht“, so sein Resümee. Wir haben verstanden...

Raimund Jäger

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