05.07.2020 11:01 |

Sinnvolle Investition

Warum sich Geld für die Pflege rechnet

Vorarlbergs Pflegerinnen und Pfleger atmen auf: Statt der geplanten Nulllohnrunde werden die Gehälter nun doch steigen, zudem soll die Arbeit attraktiver gestaltet werden. Dass sich Investitionen in die Pflege „rentieren“, belegen auch Zahlen der Arbeiterkammer.

Für ihren Einsatz während des Corona-Lockdowns wurden die Pflegekräfte mit jeder Menge Applaus bedacht - doch das war’s dann auch schon mit den Dankesgesten. Stattdessen standen Sparpläne und sogar eine Nulllohnrunde im Raum, wenig überraschend stiegen Gewerkschaft und Arbeiterkammer auf die Barrikaden. Mit Erfolg: Am Freitag fand eine Protestaktion vor dem Landhaus statt. Beim anschließenden Gespräch mit den Landesrätinnen Katharina Wiesflecker und Martina Rüscher wurde überraschend schnell eine Einigung erzielt und ein Paket geschnürt, das sowohl eine Personalaufstockung, eine Coronaprämie in Höhe von 300 Euro sowie eine schrittweise Erhöhung des Mindestlohnes vorsieht.

Die Debatte der vergangenen Tage und Wochen hat aber auch eines gezeigt: Geht’s um die Pflege, geht’s meist nur um die Kosten. Und genau daran stört sich Arbeiterkammer-Direktor Rainer Keckeis: „Gelder, die in den Pflegebereich fließen, sind vor allem eines: Investitionen in die Menschen.“ Investitionen, die sich darüber hinaus auch positiv auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft auswirken: Unbestritten - und von zahlreichen Studien belegt - haben Gesundheitsberufe angesichts der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung die besten Zukunftsaussichten. Während anderswo durch die Digitalisierung Jobs wegfallen werden, wird der Personalbedarf im Pflegebereich wachsen. Und nicht zuletzt hat die Coronakrise die Lage am Arbeitsmarkt deutlich verschärft: In Vorarlberg kamen mit Anfang Juli auf knapp 18.000 Arbeitslose lediglich rund 3100 offenen Stellen.

Arbeitsplätze in der Pflege zu schaffen, wo der Personalbedarf ohnehin akut ist, wäre also eine sinnvolle Investition in die Zukunft und eine Arbeitsmarktmaßnahme, die nachhaltig wirken würde. Das Gegenargument, dass die Kosten dafür größtenteils die Öffentliche Hand tragen müsste, verliert bei genauerer Betrachtung ebenfalls an Schlagkraft: Berechnungen der SPÖ zufolge kostet ein Arbeitsloser den Staat samt entgangener Sozialversicherung und Steuern rund 29.000 Euro im Jahr. Würde eine zusätzliche Stelle im Sozial- und Gesundheitsbereich geschaffen, müsste dafür nur minimal mehr ausgegeben werden: Bei einem Mindestlohn von 1700 Euro netto, wie etwa von der AK Vorarlberg gefordert, würden die Kosten inklusive 13. und 14. Gehalt bei rund 33.600 Euro liegen. Der Staat profitiert wiederum von zurückfließenden Steuern und Sozialbeiträgen.

Pflegeberufe müssen attraktiver werden

Diese Chance für den Arbeitsmarkt besteht allerdings nur, wenn der Job und die Ausbildung auch für Quereinsteiger attraktiv sind. „Menschen werden nur dann auf einen Pflegeberuf umsatteln, wenn die Perspektive und die Entlohnung stimmen“, betont Keckeis. Deshalb fordert die AK Vorarlberg als ersten Schritt einen Mindestlohn in Höhe von 1700 Euro netto. Davon würden derzeit knapp 1200 Beschäftigte in den Spitälern, Heimen und Sozial- und Gesundheitsorganisationen direkt profitieren.

Die Arbeiterkammer hat bereits die Kosten dafür berechnet: Würden die untersten Gehaltsklassen der Landesbediensteten in den Krankenanstalten auf 1700 Euro netto angehoben, hätte das Mehrausgaben von rund drei Millionen Euro pro Jahr zur Folge. Nur unwesentlich höher wären die Kosten bei einer Anhebung des Mindestlohnes bei den Sozial- und Gesundheitsorganisationen. Nur um die Größenordnung richtig einschätzen zu können: Das Budget des Landes Vorarlberg beläuft sich auf rund 1,9 Milliarden Euro

Immerhin: Mit der am Freitag erzielten Einigung zwischen Gewerkschaft und Landesregierung sollte zumindest der 1700-Euro-Mindestlohn in drei Jahren Realität sein. Damit wird es allerdings noch nicht getan sein.

Philipp Vondrak

 Vorarlberg-Krone
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