05.07.2020 08:05 |

„Sauerei erster Güte“

Mitarbeiter wollten Betriebsrat: Kündigung!

Vor gut drei Jahren wollten zwei Mitarbeiter einer Oberländer Firma einen Betriebsrat gründen. Dies schmeckte der Unternehmensleitung aber ganz und gar nicht, die beiden „Rebellen“ wurden kurzerhand gekündigt. Die zwei Mitarbeiter suchten in weiterer Folge Rat bei der Gewerkschaft und zogen mit juristischer Unterstützung vor das Arbeits- und Sozialgericht.

Dass sich der Rechtsstreit letztlich über drei Jahre zog, ist der Sturheit der Unternehmensleitung zu „verdanken“. Denn juristisch ist die Sache klar: Sowohl das Arbeits- und Sozialgericht wie auch später das Oberlandesgericht Innsbruck haben bestätigt, dass die Kündigungen nicht rechtens waren, folglich wurde der Anfechtung in beiden Fällen stattgegeben.

Trotz des glücklichen Ausgangs ist bei Wolfgang Fritz, Landesvorsitzender der Produktionsgewerkschaft (PRO-GE), der Ärger noch nicht verflogen: „So einen Fall habe ich in meiner Laufbahn als Betriebsrat und Gewerkschafter noch nie erlebt. Das Vorgehen der Unternehmensleitung war nichts weniger als ein Anschlag auf das betriebliche Mitbestimmungsrecht von Arbeitnehmern. Es ist eine Sauerei, wie manche Firmen versuchen, engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuschüchtern, nur weil sie einen Betriebsrat gründen wollen.“

„Teil der politischen Kultur in Österreich“

Fritz rät allen Beschäftigten, die sich in ihrem Betrieb engagieren möchten, sich Unterstützung von der Gewerkschaft zu holen: „Betriebliche Mitbestimmung ist ein zentraler Bestandteil demokratischer und politischer Kultur in Österreich. Je mehr Mitarbeiter sich auch gewerkschaftlich in einem Betrieb organisieren, desto stärker wird die Position des Betriebsrats.“ Eines möchte Fritz aber ebenfalls betont wissen: Wenn sich Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren, so sei dies keinesfalls als Kampfansage gegen das Unternehmen zu interpretieren. Ganz im Gegenteil: „Die Einbindung von Betriebsräten bringt für Betriebe viele Vorteile: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind engagierter und motivierter, folglich verbessert sich die Arbeitsleistung und die Unternehmen sind wirtschaftlich erfolgreicher.“ Diese Sichtweise habe sich mittlerweile auch bei einem Großteil der Unternehmen durchgesetzt: „Laut aktuellen Umfragen sehen die meisten Arbeitgeber die Betriebsräte positiv und wissen deren Einsatz auch zu schätzen.“ Umso wichtiger sei es, „schwarzen Schafen“ den Kampf anzusagen.

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