"Das war das erwartet schwierige Match, der kann wirklich gut spielen", meinte ein sichtlicher erleichterter Melzer bei der Pressekonferenz. "Er hat die Bälle sehr früh genommen, viel Druck gemacht und wirklich den einen oder anderen Zauberball gespielt hat", lobte er den Litauer, der im Ranking sicher bald weit besser stehen wird als auf Platz 124.
"Wenn man 2:4 im fünften Satz hinten ist, dann ist man sehr knapp dran, das Match zu verlieren. Umso zufriedener bin ich, dass ich das gedreht habe und wirklich nicht aufgegeben habe." Zwischendurch sei er sehr unzufrieden mit seiner Aufschlagleistung gewesen, an seinem Service hadert Melzer nun schon länger. "Gegen Einen, der so gut von hinten spielt und sehr gut retourniert, ist es ohne ersten Aufschlag schwer. Man muss sich jeden Punkt erspielen, das ist auf Dauer ein bisserl mühsam."
Nächste Partie gegen Spanier Ferrero
Melzer trifft nun am Samstag nach 17 Uhr auf den Spanier Juan Carlos Ferrero, der Ricardo Mello (BRA) in drei Sätzen geschlagen hat. "Das wird ein enorm schwieriges Match, sehr viel wird von der Grundlinie bestimmt werden. Man darf ihn nicht aus seiner Rückhand-Ecke seine Vorhand spielen lassen. Wenn ich das verhindern kann, habe ich auch ganz gute Chancen", prophezeite der Niederösterreicher, der sich diesmal aber nicht mehr als Favorit sieht.
Für Melzer war es übrigens bereits der fünfte Sieg in einem Fünf-Satz-Match en suite. Seine Gesamtbilanz über die volle Distanz hat jener Spieler, der früher klare Führungen noch vergeben hat, schon auf 12:10-Siege verbessert. Im Kampf um sein erstes Achtelfinale bei den US Open und sein drittes in diesem Jahr bei einem Major nach dem French-Open-Halbfinale und dem Wimbledon-Achtelfinale, spielt Melzer dabei auch um eine weitere Möglichkeit, sich nach Wimbledon zum zweiten Mal mit dem erfolgreichsten Spieler aller Zeiten, Roger Federer, zu messen.
Federer-Express läuft auf Hochtouren
Roger Federer, der im Achtelfinale wie in Wimbledon Gegner von Jürgen Melzer werden könnte, entledigte sich schnell, will heißen in 101 Minuten, seiner zweiten Aufgabe: Der Deutsche Andreas Beck vermochte den Eidgenossen beim 6:3, 6:4, 6:3 nicht zu fordern. "Es ist ein perfekter Start" frohlockte der Schweizer Superstar. Keinen Grund zum Jubeln hatte der als Nummer 6 gesetzte Nikolaj Dawydenko. Der Franzose Richard Gasquet machte beim unerwarteten 6:3-6:4-6:2-Erfolg kurzen Prozess mit dem Schützling von Ronnie Leitgeb.
In der Night Session ließ sich der als Nummer 3 gesetzte Novak Djokovic nach dem Fünfsatz-Auftaktkampf mit Landsmann Viktor Troicki von Jürgen Melzers Doppelpartner Philipp Petzschner nicht lange ärgern, der Deutsche war wie sein Landsmann Beck für Federer kein Stolperstein und musste sich 5:7, 3:6, 6:7(6) geschlagen geben. Zuvor war auch der zweifache French-Open-Finalist Robin Söderling locker ohne Satzverlust über den US-Amerikaner Taylor Dent hinweggekommen.
Wozniacki siegt in 47 Minuten
Eilig hatte es Maria Scharapowa bei ihrem 6:1-6:2-Erfolg über die Tschechin Iveta Benesova, doch niemand konnte sich an diesem Tag mit der erstmals bei einem Major topgesetzten Caroline Wozniacki messen. Die Dänin stürmte in nur 47 Minuten mit 6:0, 6:0 gegen die Taiwanesin Chang Kai-chen in die Runde der letzten 32. Gewinnen die Skandinavierin und Scharapowa noch einmal, kommt es zum erhofften Achtelfinal-Hit der beiden. Wimbledon-Finalistin Wera Swonarewa und die Vorjahres-Semifinalistin hier, Yanina Wickmayer, hatten ebenfalls glatte Siege zu verzeichnen. Dafür musste die Nummer 4, Jelena Jankovic, gegen Mirjana Lucic über drei Sätze gehen.
Paszek und Meusburger ausgeschieden
Bereits zuvor waren mit Tamira Paszek und Yvonne Meusburger die letzten beiden ÖTV-Damen jeweils in der zweiten Runde ausgeschieden. Während eine nach vier Siegen en suite müde gewordene Paszek gegen die Taiwanesin Chan Yung-jan beim 3:6, 3:6 letztlich chancenlos war, stand Meusburger knapp vor ihrem bisher größten Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier, ehe sie doch ausschied. Die 26-jährige Vorarlbergerin führte gegen die als Nummer 23 gesetzte Russin Maria Kirilenko schon mit 6:4, 4:2 und hatte zwei Breakbälle zum 5:2. Am Ende musste sie sich mit 6:4, 5:7, 0:6 geschlagen geben. Auch bei ihrem 15. Major-Turnier blieb Meusburger somit der Einzug in die dritte Runde versagt.
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