23.06.2020 06:00 |

Gemeinderatswahl 2020

Leoben: Die Stunde der Wahrheit in der Montanstadt

Was die Leobner vor der Gemeinderatswahl am 28. Juni bewegt: Kann SPÖ-Bürgermeister Kurt Wallner die absolute Mehrheit halten? In Trofaiach und Eisenerz sind keine „Revolutionen“ zu erwarten. Und besonders kurios: Der nächste Ortschef von Radmer heißt sicher Gottsbacher.

Oft kommt es nicht vor, dass der Bürgermeister einer steirischen Stadt bundesweit in den Schlagzeilen ist. Kurt Wallner aus Leoben hat es geschafft: Er bekundete im Februar offen, bei der SPÖ-Mitgliederbefragung nicht für Parteichefin Pamela Rendi-Wagner zu stimmen. Das brachte ihm Kritik gerade von Frauen ein, nicht zuletzt aus seiner eigenen Partei. Anita Weinkogl, die Bürgermeisterin in St. Peter-Freienstein, bezeichnete Wallners Vorstoß sogar als unverschämt.

Nach dem guten Ergebnis von Rendi-Wagner zeigte sich Wallner versöhnlich. Nun ist er selbst gefordert, denn die Ausgangslage in der zweitgrößten steirischen Stadt ist spannend: 2015 erreichte die SPÖ – obwohl damals zehn Listen antraten – mit 17 von 31 Mandaten die absolute Mehrheit. Wallner ist, auch wenn etwa die Ausweitung der gebührenpflichtigen Parkplätze in der Bevölkerung nicht gut ankam, optimistisch und rechnet gar mit einem Stimmen- und Mandatszuwachs: „Ich verspüre eine positive Stimmung und anerkennende Äußerungen über die Parteigrenzen hinweg.“

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Die SPÖ-Mehrheit muss weg,sie blockiert die Umsetzung von notwendigen Maßnahmen. Wir wollen eine Fachhochschule für den gehobenen medizinischen Dienst, betreutes Wohnen und ein neues Park-&-Ride-System.

Spitzenkandidat Reinhard Lerchbammer will für die ÖVP den zweiten Platz in Leoben zurückerobern

Hinter SPÖ herrscht Gerangel um Platz 2
Neben dem im Mai begonnenen Neubau des Congresszentrums, der schon im letzten Wahlprogramm stand, und dem Naherholungsraum Mur bietet der Bürgermeister weitere Wahlzuckerl wie die S-Bahn-Station in Lerchenfeld. Nur: „Die Lerchenfelder werden die S-Bahn nicht brauchen, haben sie doch jetzt den Bus vor der Haustür, der sie in die Innenstadt führt. Und für die Leute der Firma Knapp ist die Station viel zu weit westlich“, kritisiert Vizebürgermeister Daniel Geiger (FPÖ).

Er ist mittendrin im Gerangel um Platz zwei hinter Wallner. Die FPÖ hält derzeit bei vier Mandaten, ÖVP und KPÖ bei je drei. Nach Ibiza ist die Volkspartei Favorit. Auf dem vierten Listenplatz scheint bei ihr mit Gerald Heinrich (61) ein Quereinsteiger auf, der sich bisher im Stadtmarketing und Tourismus eingebracht hat. Die KPÖ unter dem Landtagsabgeordneten Werner Murgg setzt auf den Slogan „Gebühren runter“.

Zwei Ex-Rote haben ihre Listen zusammengelegt
Gespannt kann man auch sein, ob die Fusion der Bürgerliste Reiter Walter (zuletzt zwei Mandate) mit der Liste Leopold Pilsner (ein Mandat) – nach dem Motto „Kräfte bündeln und Geld sparen“ – den erwünschten Erfolg bringt. Beide sind Ex-Rote, die ihre frühere Partei sehr kritisch sehen.

In Trofaiach, der zweitgrößten Stadt des Bezirks, sitzt der SPÖ-Bürgermeister fester im Sattel. Mario Abl hofft, seine absolute Mehrheit (18 von 31 Mandaten) zu halten. Zweitstärkste Kraft ist die KPÖ, die mit Gabi Leitenbauer die Vizebürgermeisterin stellt. Ein Warnschuss für Abl: Bei der Nationalratswahl 2019 war wie in Leoben die ÖVP sensationell auf Platz 1.

Auch in Eisenerz ist mit Anna Skender eine Kommunistin Vizebürgermeisterin, auch hier ist SPÖ-Stadtchefin Christine Holzweber kaum zu schlagen. Sie kann auf viele Entwicklungen in der Stadt verweisen: die Feriensiedlung Münichtal, das Tunnelforschungszentrum am Erzberg, neue Sprungschanzen, ein Trainingsareal für Einsatzkräfte, das erweiterte Gesundheitszentrum.

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Mit der Bevölkerung erarbeiten wir ein neues Leitbild für Eisenerz. Die Beteiligung ist hoch. Die Grundtendenz als Bildungs- und Sportstadt bleibt natürlich, verstärkt wird aber der touristische Aspekt.

Christine Holzweber (SPÖ) verteidigt eine deutliche absolute Mehrheit in der Erzberg-Stadt Eisenerz

Kleinerer Gemeinderat sorgt für Spannung
Und in den kleineren Gemeinden? Vordernberg ist die SPÖ-Hochburg der gesamten Steiermark, sogar bei der Landtagswahl gab es hier landesweit unerreichte 70 Prozent. Die ÖVP hofft, ihre vier Bürgermeister (Traboch, Mautern, Kalwang und Kraubath) zu halten. Besonders interessant wird Kalwang, wo es wegen des Bevölkerungsrückgangs künftig nur noch neun statt 15 Gemeinderäte gibt. Zufall oder nicht: Am Freitag, also zwei Tage vor der Wahl, findet der Spatenstich für ein neues Pflegeheim statt.

In Wald am Schoberpass hört SPÖ-Bürgermeister Hans Schrabacher nach 23 Jahren auf. Das Duell um seine Nachfolge lautet Marc Landl (SPÖ) gegen Johannes Gröschl (ÖVP).

Zwei Namensvetter rittern um Stimmen
Trotz spannender Ausgangslage ist in der Gemeinde Radmer schon eines klar: Der nächste Bürgermeister heißt Gottsbacher. Entweder wie seit 2012 Ludwig (SPÖ) oder Klaus (ÖVP). Sie sind übrigens nur sehr weitschichtig verwandt. Die Gemeinde hatte im 17. Jahrhundert über 3000 Einwohner, viele waren im Erz- und Kupferbergbau beschäftigt. Heute gibt es nur noch 521 Einwohner und 478 Wahlberechtigte. Im Telefonbuch stehen allein 13 Gottsbachers! Bei den Gemeinderatswahlen 2010 und 2015 erreichte die SPÖ jeweils fünf und die ÖVP vier Mandate. Sie hofft, beim Urnengang am 28. Juni den Spieß umdrehen zu können.

Reportagen zur Gemeinderatswahl aus allen steirischen Bezirken finden Sie hier.

Jakob Traby und Heinz Weeber, Kronen Zeitung

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