17.06.2020 19:16 |

Wettlauf der Giganten

Corona-Mittel: Heftige Vorwürfe gegen Pharmariesen

Alle Welt ist auf der Suche nach einem Mittel gegen das Coronavirus. Bei dem Wettlauf gegen die Zeit geht es neben Prestige auch um viel Geld. Nun mehren sich heftige Vorwürfe gegen Pharma-Riesen - so fürchten Kritiker, dass die großen Pharmafirmen die Preise in die Höhe treiben könnten. 

Es ist ein weltweiter Wettlauf gegen die Zeit. Corona macht der Wissenschaft Beine. Es gibt schon Erfolge bei Medikamenten. Remdesivir hat die erste Etappe gewonnen (zudem gibt es aktuelle Studien, wonach das Präparat Dexamethason bei schwer Erkrankten hilft).

Das Mittel Remdesivir des US-Konzerns Gilead wird für den europäischen Markt zugelassen. Bis zu 5000 Euro pro Einheit, vermuten Experten, könnte es kosten. „Die Pharmaindustrie wird wie immer der große Gewinner sein“, sagt Peter C. Gøtzsche, Mediziner aus Dänemark, zur „Krone“. Der Professor war einst als Forscher für die Pharmabranche tätig und gilt heute als einer ihrer heftigsten Kritiker.

Treiben Unternehmen die Preise?
Durch Bücher wie „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität“ sorgt er für Aufregung. Zentraler Vorwurf: Geschönte Studien zwecks Gewinnmaximierung sowie Korruption in großem Stil. Auch bei Corona gehe es um Geschäftemacherei. „Es ist immer die Rede von bis zu zwei Milliarden, bis ein Medikament auf den Markt kommt. So rechtfertigt man horrende Preise. Dabei sind die Kosten viel niedriger“, sagt Gøtzsche.

Wie viel darf es kosten?
Alexander Herzog, Generalsekretär der Pharmig (Verband der Pharmazeutischen Industrie Österreichs), wehrt sich gegen derartige Vorwürfe. „Natürlich sind auch wir gewinnorientiert. Wir investieren viel. Da sind wir wie Apple oder Tesla. Covid-19 aber wird niemandem großes Geschäft bringen. Hier geht es darum, möglichst rasch zu helfen.“ Man könne es sich gar nicht erlauben, hier die großen Profite zu generieren. „Dazu ist der öffentliche Druck zu groß. Vielmehr geht es ums Prestige.“

Zeitdruck bei Corona
Überdies sei die Investition in Corona-Mittel ein wirtschaftliches Wagnis. „Es gab auch bei Remdesivir zu wenige Studien. Das kann schiefgehen. Normalerweise dauert es bis zwölf Jahre, bis ein Medikament markttauglich ist. Bei Corona muss es schneller gehen.“

Was sagt der besonders schnelle Konzern Gilead zur Preisfrage, die die „Krone“ stellt? „Zurzeit konzentrieren wir uns darauf, das Präparat kostenlos bereitzustellen. Wenn es sich als sicher und wirksam erweist, setzen wir uns dafür ein, dieses Arzneimittel weltweit verfügbar und erschwinglich zu machen.“

Pharmariesen als übermächtige Gegner
Erschwinglich ist ein volatiler Begriff. Das weiß auch Gesundheitsökonom Christian Köck. Er sieht in den Pharmariesen übermächtige Gegner. „Sie agieren mit erpresserischen Methoden gegenüber Staaten. Sie bestimmen die Preise, die oft weit mehr als einen vernünftigen Profit bringen.“ Auch werde in Ministerien intensiv lobbyiert. Köcks Lösung: „Die EU mit ihren 500 Millionen Einwohnern muss gemeinsam den Konzernen entgegentreten. Das kleine Österreich allein hat keine Chance.“

Erich Vogl, Kronen Zeitung

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