Bezirk Voitsberg

Zwei Neue kämpfen um SPÖ-Hochburgen im Westen

Hochspannung vor der Gemeinderatswahl im Westen, gerade in den drei großen Städten des Bezirks Voitsberg: 2015 ging Köflach für die SPÖ verloren, in Voitsberg und Bärnbach behielt sie ihre absoluten Mehrheiten - bei der Wahl am 28. Juni sollen sie verteidigt werden.

Viele Gesichter waren lang am Abend des 24. November 2018: Die geplante Fusion der Nachbarstädte Voitsberg und Bärnbach war geplatzt, die Bevölkerung von Bärnbach stimmte bei einer Befragung mehrheitlich dagegen.

„Es ist eine offene Wunde“, gibt Bernd Osprian zu, „das Thema ist aber gegessen.“ Er war damals Bürgermeister von Bärnbach. Seit Juli hat er - nach einem Wechsel des Wohnorts - diese Funktion in Voitsberg inne, kein unumstrittenes Manöver. Nun gilt es, die knappe absolute Mehrheit für die SPÖ zu sichern: 2015 erzielte sie 51,1 Prozent.

Ein Pluspunkt: Auf dem Areal des einstigen Kraftwerks wird fleißig gebaut, weitere 130.000 Quadratmeter warten auf eine Verwertung. Auch in der Innenstadt soll sich viel tun. Sie litt zuletzt unter der Sanierung des Umfahrungstunnels und der Umleitungen. „Es braucht mehr Platz für Menschen und Veranstaltungen“, sagt Osprian. Heuer soll auf jeden Fall ein Verkehrskonzept („damit steht und fällt alles“) entstehen.

FPÖ will in Voitsberg Bürgermeister-Sessel
Für FPÖ-Spitzenkandidat Markus Leinfellner geht das zu langsam: „Die Innenstadt-Belebung muss sofort angegangen werden!“ Ein erster Schritt sei ein Aus für die gebührenpflichtige Kurzparkzone: „Der Aufwand ist hier höher als die Einnahmen.“ Leinfellner verpasste bei der Wahl 2019 knapp ein Mandat im Nationalrat, nun stellt er selbstbewusst den Bürgermeister-Anspruch in seiner Heimat Voitsberg.

Bärnbach wächst sanft
In Bärnbach trat Jochen Bocksruker, davor seit 2010 Finanzstadtrat („ich habe beim Aufarbeiten der Altlasten mitgeholfen“), die Nachfolge von Osprian an. Er verteidigt 55,5 Prozent. Der Prokurist einer Bank legt sein Hauptaugenmerk auf ein „Miteinander mit der regionalen Wirtschaft“, aktuell wird zum Beispiel ein großes Parkplatzprojekt umgesetzt.

Bocksruker sieht Bärnbach als Wohnstadt, sie verzeichnet leichten Zuzug. Die Infrastruktur müsse mitwachsen, geplant sind mehr als 100 Innenstadt-Wohnungen und eine Sanierung des Stadtparks.

Fusionsgegner hat sich zurückgezogen
Gegen die Fusion mit Voitsberg hat sich 2018 vor allem Ewald Bramauer von der ÖVP stark gemacht. Er trat im Vorjahr zurück, Spitzenkandidatin ist nun Karin Buchgraber. Wieder am Bärnbacher Stimmzettel ist die SPÖ-Abspaltung SBB.

Kann die ÖVP Köflach halten?
Ganz anders ist die Ausgangslage für die SPÖ in der Stadt Köflach: Nach internen Zwistigkeiten verlor sie 2015 dramatisch, ein Bündnis aus ÖVP, FPÖ und der roten Abspaltung SBK kürte Helmut Linhart (ÖVP) zum Sensations-Bürgermeister. „Wir haben gut gearbeitet, so ein Bauprogramm gab es zuvor 50 Jahre nicht“, sagt Linhart zur „Krone“.

Auch das Vorhabensprogramm für die nächste Periode sei „dicht“ - doch hält die Koalition? Die SBK (Johannes Bernsteiner: „Wir wollen den Weg weitergehen“) wackelt nicht, doch die FPÖ könnte nach der Wahl mit der SPÖ gemeinsame Sache machen. Der rote Frontmann Bernhard Jammernegg greift Linhart jedenfalls voll an: „Er hat keinen Plan, macht aber gutes Marketing.“ Ein Steckenpferd von Jammernegg, der auch im Immobilienbereich tätig ist, ist die Pflege. Er könnte sich vorstellen, ein Heim im Zentrum von Köflach zu errichten und zu betreiben („die Rathauspassage würde sich dafür anbieten“) - und hat nach eigenen Angaben „zwei liquide Personen“ in der Hinterhand.

Rosental als rote Hochburg
Andere Bürgermeister im Bezirk können beruhigter in die Wahl gehen, darunter Engelbert Köppel (SPÖ) in Rosental. Er erzielte zuletzt 70 Prozent! Und auch bei den jüngsten Nationalrats- und Landtagswahlen schnitt die SPÖ in Rosental außergewöhnlich gut ab. Das Erfolgsrezept? „Wir ziehen an einem Strang, es gibt keine Streitereien - das wollen die Leute nicht“, sagt Köppel Und: „Wir sind viel draußen bei den Menschen!“

Mit Erwin Dirnberger in Söding-St. Johann und Engelbert Huber (Mooskirchen) treten auch zwei ÖVP-Urgesteine wieder an. Noch neu ist hingegen Klaudia Stroißnig: Sie ist erst seit gut einem Jahr Bürgermeisterin in Geistthal-Södingberg.

Jakob Traby
Jakob Traby
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Donnerstag, 02. Juli 2020
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