08.06.2020 07:00 |

Heute endet Einsatz

Milizsoldaten kritisieren „Hauruck-Aktion“

Heute endet der erste Milizeinsatz des Bundesheeres in Salzburg. 106 Soldaten im Land packen ihre Koffer. Bei den betroffenen Milizionären bleiben nun gemischte Gefühle zurück. Für das Verteidigungsministerium hagelt es Kritik. „Das Ende kam wirklich überraschend“, sagt Milizkommandant Dominic Maier zur „Krone“.

Kaum drei Wochen war die 3. Milizkompanie des Jägerbataillons Salzburg im Einsatz. Gemischt fällt die Bilanz von Oberleutnant Dominic Maier aus. Er führte die 106 Soldaten des „Erzherzog Rainer Bataillons“ in Salzburg als Kommandant. „Ich sehe das mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Maier. „Wir haben schnell eine Einheit geformt und hätten locker bis Juli weitermachen können. Das Ende am Donnerstag kam wirklich überraschend“, findet Maier. Nachsatz: „Das kann man durchaus als Kritik verstehen.“ Laut dem Kommandanten befanden sich die Milizionäre nach der Verkündung des Einsatzendes durch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Donnerstag „48 Stunden in der Schwebe“.

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Das Ende kam wirklich überraschend. Die Planung wurde über den Haufen geworfen. Es bedarf immer einer Koordinierung.

Milizkommandant Dominic Maier

Einsatz-Organisation regt die Soldaten auf
Die Kommunikation des Ministeriums zur Abwicklung der „Demobilisierung“ habe zu wünschen übrig gelassen, meint Maier: „Es geht schließlich um Geräte und Ausrüstung, die zum Beispiel zurückgebracht werden mussten. Aber bei den verantwortlichen Verbänden haben wir niemanden erreicht“. „Wir haben dann kurzerhand am Wochenende durchgearbeitet, um alles zu organisieren. Jetzt können wir den Einsatz wie geplant beenden.“ Zwar betont Maier, dass die Erfahrungen selbstverständlich in Evaluierungen einfließen werden. In Milizkreisen wird hinter vorgehaltener Hand jedoch von „einer katastrophalen Organisation und einer politischen Hauruck-Aktion durch das Ministerium“ gesprochen. Militärkommandant Brigadier Anton Waldner verteidigt den Kurzauftritt der Miliz. „Wir mussten uns darauf einstellen, einen langen Atem zu haben.“ Bis zu 4000 Berufssoldaten standen österreichweit vorwiegend an den Grenzen im Einsatz. Ohne die Milizeinberufung hätte die Krise die Kapazitäten des Heeres gesprengt, ist Waldner überzeugt.

Nikolaus Pichler
Nikolaus Pichler
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